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A. Nordafrika.
I. Die Mittelmeerländer.
mildernden Einfluss ausüben. Derheisseste Landstrich ist das Gebietvon Tafilet. Hier ist das Landdes subtropischen Ueberflusses,gekennzeichnet durch eine üppigePalmenvegetation. Immerhin istdie Hitze selbst in den der See-luft ausgesetzten Gegenden nochimmer sehr gross, wie die breitenund tiefen Spalten zeigen, mitwelchen noch im October dieErde durchrissen ist. In der Regelfällt den ganzen Sommer hindurchkein Tropfen Regen.
Bewohner. Sie sind theils reineBerber, theils Mauren, ausser-dem Araber, Neger und Juden.
Die herrschende Rasse sind dieMauren, der Kopfzahl nach aberüberwiegen die Berber, indem siewahrscheinlich zwei Drittel derGesammtbevölkerung ausmachen.
Hinsichtlich der räumlichen Ver-theilung gestaltet sich das Ver-hältniss für die Berber noch gün-stiger, da sie die eigentliche Land-bevölkerung ausmachen und alleGebirgsstriche besiedeln. Das Ver-hältniss zwischen den Mauren(welche fast ausschliesslich in denStädten wohnen) und den Berbernist ein schlechtes. Die Berber-stämme des Atlasgebietes sind nurnominell Unterthanen des Sultans.
Rebellionen sind ebenso häufigals Zwistigkeiten zwischen denbeiden Rassen. — Sämmtliche Marokkaner sind sunnitischeMohammedaner von der strengsten Observanz. Das geistlicheOberhaupt ist der Scherif von Quesan; der Sultan führt denTitel „Khalif”, übt aber keine geistliche Gewalt aus. Die Marok-kaner gehören zur Secte der Malekiten, einer der vier Haupt-secten, in welche die gesammte islamitische Welt zerfallt. Eswimmelt im Lande von lebenden „Heiligen” und noch grösserist die Zahl von Heiligengräbern, welche Asylrecht gemessenund dadurch zum Unterschlupf von allerlei Gesindel werden.
Die Gesammtbevölkerung von Marokko beziffert sichauf ungefähr 6 Millionen Seelen.
Culturverhältnisse. Das Land ist reich an Cerealien (vielGerste), welche zur Ausfuhr gelangen. In grösseren Mengenwerden auch Mais und Hülsenfrüchte cultivirt. Obst ist reich-lich vorhanden. — Das Thierreich liefert eine vorzüglichePferderasse, dann Rinderund Schafe. Die grösstePlage für den Feldbausind die Heuschrecken-schwärme. — Ueber dasVorkommen von Minera-lien und Erzen ist Nähe-res nicht bekannt. Es sollKupfer und Blei vorhan-den sein, doch verbietetdie Regierung die Aus-beute.
Die Industrie ist nichtunbedeutend. Hervorzuhe-ben sind: Waffen, Leder-arbeiten, Edelmetall- undBronzewaaren, Flechtar-beiten, besonders aberWollen-, Baumwollen- undSeidenwaaren.—Der H an-del ist im Inneren desReiches fast durchwegsTauschhandel,.der nament-lich lebhaft mit den Sudan-ländern unterhalten wird.
Von dort werden einge-führt: Sklaven, Goldstaub,
Straussenfedern, weissesGummi, Droguen, Elfen-bein und Salz. Was die
Einfuhr anbelangt, haben sichzwar englische, französische unddeutsche Fabrikate im Lande Ein-gang verschafft, aber in weit ge-ringerem Maasse als in den übri-gen Ländern von Nordafrika.
Regierung, Verwaltung etc. DasStaatsoberhaupt ist der Sultanoder „Kaiser” (seit 1873 Muley*Hassan), der „Scherifdynastie”angehörig, so genannt nach ihremBegründer, einem Scherif aus derOase Tafilet. Dem Staatsober-haupte stehen der Grossvezierund mehrere Ressortminister zurSeite. Der Kaiser hat drei Resi-denzen — die alten Hauptstädteder drei Königreiche Marrakesch(Marokko), Miknäs (Mekinez) undFas (Fez) — in welchen er sichabwechselnd auf hält. Die Ver-treter der fremden Mächte resi-diren in Tanger.
Die bewaffnete Macht imKriege besteht (angeblich) auscirca 70.000 Mann regulären Trup-pen, doch besteht keine eigent-liche Heeresorganisation, sondernnur ein allgemeines Aufgebot.Von einer Uniformirung ist kaumdie Rede, die Bewaffnung istschlecht. Den besten Theil derTruppen bildet die vorzüglichberittene Reiterei. Für den per-sönlichen Schutz des Kaisers be-steht eine schwarze Leibgardeaus zwei Abtheilungen („Abi-Bugaris” und „Ludajas”), welchezusammen 10.000 Mann formiren und in den drei Residenzenvertheilt sind.
Von den drei Residenzstädten ist Fas (gewöhnlich Fez geschrieben) die grössteund volkreichste (lOO.OOO Einwohner). Sie liegt in einer Mulde von bewaldeten Bergen,mit alten Schlössern, in sehr zerfallenen Mauern und tiefem Koth. Die berühmtesteMoschee ist jene des Muley Edris. Der kaiserliche Palast ist ein sehr weitläufigesGebäude, aber nicht sehr reich ausgestattet. — Zweite Residenz ist
Miknäs (Mekinez, 80.000 Einwohner). Sie liegt in einer Fruchtebene, die aberbelebt und mannigfaltig wird durch ein grünes Netz von Bachufern, durch Oliven-haine und Palmengruppen, viele Duars (Dörfer) mit braunen Zelten und Hütten,während an den Abhängen der Berge die zahlreichen Landhäuser und Santongräberaus dem dichten Laub der Gärten weiss hervorleuchten. Die Stadt selbst, umgebenvon zum Theil zerfallenen Mauerringen und überragt von unzähligen Thürmen, liegterhöht in ihren Gärten und hat auf der Südseite innerhalb einförmiger Mauern dasweite Palastgebiet des Sultans. Dort sind Holzpaläste, vergoldete Pavillondächeretc. hinter unkrautbewachsenen Höfen, und nur zuweilen erinnert ein grossartiger oder
Tanger.
Eine Strasse in Fas.
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