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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Ar Nordafrika. — I. Die Mittelmeerländer.'

Hauptstadt des Vila-jets ist

Tripoli (Tarabulus-i-Gharb, 30.000 Einwoh-ner), Sitz des osmani-schen Militärgouver-neurs, auf flacher Kü-ste gelegen und miteinem von Klippenumgebenen Hafen. DieHäusermasse — blen-dend weiss von ferne— wird überragt vonMinarets und den Flag-genbäumen der Con-sulate, ist aber im In-neren voll Schutt undVerfall. Der Bazar ist(wie der Hafen) auf-fallend unbelebt. AmSüdostende ragt dasCastell, unerforsch-lich verbaut im Inne-ren, hoch unmauertvon aussen.

Andere nennenswertheOertlichk eiten sind: B e n g-hasi (22.000 Einwohner), ander Nordwestküste des Hoch-landes von Barka, mit ziem-lich lebhaftem Hafen. Von hier führt eine directe Karaw r anenstrasse über die OaseSiuah (Jupiter Ammon) nach Kairo. — Etwas östlich von Tripoli liegt Leb da, einelendes Dorf zwischen den Trümmern der einst berühmten Leptis magna. — ImInneren liegen: Rhadames, unfern der Grenze von Algerien, eine der ältestenStädte Afrikas, wichtig als Raststation und Stapelplatz des saharitischen Handels.Die Quelle von Rhadames (ein grosses Bassin) ist die berühmteste im Bereiche derSahara. — Rhat, gleichfalls an der Grenze von Algerien, Hauptort der gleichnamigenOase, bereits ganz im Tuareggebiete gelegen. — Murzuk (5000 Einwohner), Haupt-ort der grossen Oasengruppe von Fezzan, welche durch ihre Palmencultur in ganzNordafrika berühmt ist (an 30 Millionen Stämme!), bisher als der heisseste Ort derErde bekannt. Hauptmarkt auf dem Karawanenwege Tripoli-Kuka.

Unter nomineller Oberhoheit der Türkei steht die Oasengruppe Kufra (circa18.000 Quadratkilometer) mit einer Bevölkerung von wenigen hundert Seelen, Arabernund Tibbu.

Mamlukengrab bei Kairo.

5. Aegypten.

Der Name ist griechischen Ursprungs; Aigyptos heisst beiHomer der Nil, und dieser Name ging auf das an seinen Uferngelegene Land über. Nach Brugsch wäre Aigyptos entstellt ausHa-ka-ptah, d. h. „DasHaus der Verehrungdes Ptah”, was derheilige Name vonMemphis war. Diealten Bewohner nann-ten ihr Land Kerni, d. h.

„Das schwarze”,nachder Farbe der vomNil angeschwemmtenErde, im Gegensätzezu ta tesch, d. h. dasrothe oder Wüsten-land. Bei den He-bräern hiess Aegyp-ten Mi\raim y der heu-tige arabische Nameist Masr , der türki-sche Gipt .

Auf die grosse cultur-geschichtliche BedeutungAegyptens einzugehen,würdeden Rahmen des Werkesüberschreiten. In Kürze istzu erwähnen, dass auf diemehrtausendjährige Herr-schaft der einheimischen Dy-nastien, von denen die älte-sten Nachrichten bis zumJahre 5700 zurückreichen,und auf eine vorübergehendeZwischenherrschaft der Per-ser, die Ptolemäer (323bis 30 v. Chr.), auf diese dieRömer, alsdann die By-

zantiner folgten, welch letzteren der Feldherr des Khalifen Omar, Am’r Ibn el Asi,im Jahre 638 das Land entriss und dem Islam eroberte. Bis zum Jahre 656 bildeteAegypten eine Provinz des medinesischen Khalifats, worauf es zuerst den Omme-jaden (661 bis 750), dann den Abbassiden (750 bis 870) zufiel. Im Jahre 870 rissder abbassidische Statthalter Achmed Ibn Tulun das Land an sich und gründete dieDynastie der Tuluniden. Ibn Tulun wurde von den Abbassiden überwältigt,worauf eine Zeit der Wirren platzgriff, in welche auch die vorübergehende Herrschaftder Fatimiden fällt. Dem Allem machte Salalieddin (Saladin) ein Ende. ImJahre II71 gründete er die Dynastie der Eyubiden, die sich indess gleichfalls alssehr kurzlebig erwies.

Während der Kreuzzüge, in welcher Zeit Aegypten von Usurpatoren aus-gebeutet wurde, tauchten die Mamluken auf, eine aus gekauften Knaben türkischer,mongolischer, cirkassischer, kurdischer und griechischer Abstammung hervorgegangeneRitterschaft. Im Jahre 1240 schwang sich der Mamluke Melik-es-Saleg auf den inErbfolgekriegen strittig gewordenen Thron und begründete die Mamlukenherr-schaft, welche die traurigste Periode der ägyptischen Geschichte ausfüllt. Die Mam-lukenherrschaft währte bis 1517, dem Jahre, in welchem die Osmanen unter Selim I.Aegypten eroberten. Nun w^ar dieses durch Jahrhunderte eine türkische Provinz. DieInvasion des Landes durch die Franzosen unter Bonaparte (1798 bis 1802) brachteeine neue Persönlichkeit auf die Bildfläche: den Strassenwäclitersohn MohammedAli, welcher 1800 mit einem türkischen Hilfscorps aus seiner Vaterstadt Kawala inMakedonien nach Aegypten übersetzte.

Schon in den ersten Kämpfen der Türken mit den Franzosen war MohammedAli’s Haltung eine verdächtige. Bald hierauf riss er die Gewalt an sich, indem erzunächst die Mamluken, deren Unbändigkeit ihn in seinen Plänen hinderte, im Jahre1811 gelegentlich eines Festes in der Citadelle niedersäbeln liess. Von der Pforte zumerblichen Statthalter eingesetzt, begründete Mohammed gewissermaassen eine neueDynastie. Sein Sohn und Nachfolger Ibrahim Pascha (seit 1848) erwies sich in denKriegen gegen die Wahabiten in Hocharabien (1811) und gegen die Pforte (1832) alsein tüchtiger Feldherr und ein energischer Mann. Er sucCedirte seinem Vater imJahre 1848, doch starb er schon wenige Monate nach dem Antritte der Regierung.Auf Ibrahim folgte Mohammed’s Enkel (Tussun’s .Sohn) Abbas Pascha, der sicham Krimkriege betheiligte, indess schon 1854 (am 14. Juli) ermordet wurde. DieHerrschaft trat nun Said Pascha (der vierte Sohn Mohammed Ali’s) an. Unter ihmwurden die Arbeiten am Suezcanal begonnen. Nach Said’s am 18. Januar 1863 er-folgten Tode ging der Thron auf Ismail Pascha über, unter dem Aegypten einengrossen, wenn auch überstürzten Aufschwung nahm. Maasslose Verschwendungssuchtbrachte Aegypten bald an den Rand völliger Desorganisation. Es kam zu Con-flicten mit den europäischen Mächten und am 25. Juni 1879 musste Ismail Paschaabdanken.

An seiner Stelle wurde Thewfik Pascha mit Aegypten belehnt. Unter ihmbegann sich die conservative arabische Partei zu regen und 1882 machte sich Ar ab iPascha — ein ehrgeiziger Officier — durch ein Pronunciamento zum Plerrn derSituation. Hierauf intervenirten die Engländer, beschossen Alexandria und rücktennach mehreren siegreichen Treffen in Kairo ein. England nimmt seitdem Antlieil ander Verwaltung von Aegypten und hält das Land militärisch besetzt. — Unter welchenUmständen die Loslösung. des ägyptischen Sudan erfolgte, wird bei Schilderung diesesletzteren Gebietes mitgetheilt werden.

Lage und Grösse. Aegypten war bis zur Loslösung des ägyp-tischen Sudan und vor Gründung des Congostaates das grössteReich auf afrikanischem Boden. Derzeit umfasst es das Nilthalbis Dongola und die Wüstengebiete zu beiden Seiten des Nil,im Westen mit Einschluss. der Libyschen Wüste, im Osten biszum Rothen Meere auf der Küstenstrecke Suez-Suakim, ausser-dem die Halbinsel Sinai und das Küstenland Median an derOstküste des Rothen Meeres. — Dieses Gebiet umfasst einenFlächenraum von circa i Million Quadratkilometer, während

Der Nil bei Alt-Kairo.