David Livingstone’s letzte Reise.
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B. Mittelafrika.
I. Abessinien. — Die Galla- und Somaliländer.
Wie in geographischer Beziehung, bildet Abessinien auchin politischer Beziehung ein für sich völlig abgeschlossenesGebiet. Ueber die physische Natur des Landes — Boden-gestalt, Bewässerung, Klima, Pflanzen- und Thierwelt, wurdein der „Allgemeinen Uebersicht” alles Wissenswerthe mit-getheilt.
Abessinien bedeckt eine Bodenfläche von 333.280 Qua-dratkilometer und besitzt eine Bewohnerzahl von rund 3 Mil-lionen Seelen. Die Abessinier (vgl. S. 372) rühmen sich, dieälteste Dynastie der Welt die ihre zu nennen, indem sie die-selbe, bis auf Salomo und die Königin von Saba zurückführen.Das Land hat aber sowohl eine durch Jahrhunderte unange-fochten gebliebene israelitische Invasion als auch nachmals einearabische Invasion erlebt, welche die Continuität der ursprüng-lichen Dynastie völlig aufgehoben hat. In den jahrhunderte-langen Wirren gelang es bald dem einen, bald dem anderenenergischen Heerführer oder Clanhäuptling, sich auf den ThronAbessiniens zu schwingen. Zahllose Bürgerkriege spaltetendas Herrschaftsgebiet in Einzelstaaten,welche zeitweilig untergingen, um beigünstigem Anlasse wieder begründetzu werden. Im Grossen und Ganzenfiel die Herrschaft bald den nördlichen,bald den südlichen Clanhäuptlingen zu.
Zu Zeiten rissen Männer von niedrigerHerkunft die Staatsgewalt an sich,wie beispielsweise der „Kaiser’"Theo-dor os, welcher 1868 von Englandbekriegt wurde. Kurz vor der Er-stürmung von Magdala durch die eng-lischen Truppen hatte sich Theodorosdas Leben genommen. Ihm folgteKassai von Tigre, gleichfalls einMann von untergeordneter Herkunft,der als Kaiser (Negus Negesti, d. i.
„König der Könige”) Johannes II.seit 1872 den Thron einnimmt.—Dasim Südosten von Abessinien liegendeKönigreich Schoa steht zu Abessi-nien in einem Tributärverhältnisse.
Die Abessinier sind ein wildes,kriegerisches Volk, das sich zum mo-nophysischen Christenthume bekennt.
Das Land ist überschwemmt mit Geist-lichen, Mönchen, Nonnen und Schrift-gelehrten. Das religiöse Oberhauptder Abessinier ist der Abuna, einvom Patriarchen von Alexandria ein-gesetzter Unterpatriarch oder Erz-
bischof. Ein nicht unbedeutender Procentsatz der Bevölkerungbekennt sich zur mosaischen Religion (die Falascha).
Die Kriegsmacht Abessiniens wird zuweilen übertriebenhoch geschätzt. Durch allgemeines Aufgebot strömen allerdingsbeträchtliche Massen zusammen, doch hat nur ein kleiner Theilderselben militärischen Werth. Ungeheuer ist der Tross. Einegeregelte Verpflegung besteht nicht, so dass das in Kriegs-bereitschaft befindliche Heer eine furchtbare Landplage fürdie Bevölkerung wird. Der Negus zieht mit pomphaftem Auf-zuge, zahlreichem Gefolge und mit all seiner beweglichenHabe in den Krieg. Die unsicheren Verhältnisse lassen dieletztere Vorsicht als begründet erscheinen.
Die wichtigsten Oertlichkeiten sind:
Adua (3000 Einwohner) — auch Adowa geschrieben — gutgebaute Stadt inNordabessinien, einst der glanzreiche Mittelpunkt des weit über seine jetzigen Grenzenhinausreichenden Reiches, mit einer vorübergehenden Culturblüthe. Denkmäler, nunin Ruinen, erinnern an diese Zeit des Glanzes. — Axum (lOOO Einwohner), gleich-falls in Nordabessinien, die alte äthiopische Königsstadt. Sie liegt malerisch in einemWalde von Juniperusbäumen und riesigen Feigenbäumen, und dazwischen sieht man
Mauern, Obelisken, Kirchen und Strohdächer. DieKrönungskirche der „Nachkommen Salomos undder Königin von Saba” wurde in der ersten Hälftedes 16. Jahrhunderts durch den Adailfürsten Mo-hammed Granje dem Erdboden gleichgemacht. —Gondar (12.000 Einwohner), die volkreichste Stadtdes Landes, im Norden des Tanasees gelegen,die neuere Residenz; sie ist von origineller Bauart.Am auffallendsten sind die vielen hohen Wartenund Tliürme, Zinnen und Mauern des in mittel-alterlich-portugiesischem Stile aufgeführten Kö-nigspalastes (Negus-Gemp). Im Inneren grup-piren sich Hallen, Galerien, Kioske, Kapellen umdas Hauptgebäude. Der Königspalast liegt übri-gens dermalen halb in Ruinen. Die Stadt wurdeim Frühjahr 1888 von den Mahdisten arg ver-wüstet. — Debra Tabor, die vom Negus Jo-hannes II. bevorzugte Residenzstadt, im Ostendes Tanasees gelegen. — Am südöstlichen Uferdes letzteren liegt Ko rata (1000 Einwohner, fastlauter Priester), mit lebhaftem Handel durch dieProvinz Godscham nach und von den „Kaffee-ländern” (Kaffa, Enarea etc.) im Süden vonAbessinien.
Hauptort des Königreiches Schoa ist An-kober (6000 Einwohner), in 2500 Meter Seehöhegelegen. Die Stadt ist dermalen die eigentlichePflegestätte der altabessinischen Literatur, dieübrigens nur aus Kirchenschriften besteht.
Im Süden und Osten von Abes-sinien dehnt sich das Gebiet der Galla,eines mit den Abessiniern stammver-wandten Volkes und vielfach in Abes-sinien selbst (namentlich in den süd-lichen Strichen und in Schoa) sie-delnd. Ueber die Natur des Inneren
Galla.
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