B. Mittelafrika. — II. Die Länder des Sudan.
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II. Die Länder des Sudan.
Von dem grossen Bogen des Nigerlaufes im Westen bisDar Für im Osten, zwischen dem 17. 0 und dem 5. 0 Nordbreite,dehnt sich quer durch Afrika ein grosser Complex von moham-medanischen und heidnischen Eingeborenenreichen, welcheman als Sudanstaaten bezeichnet. Nach den Völkern, welche dieseStaaten besiedeln, unterschei-det man die Haussastaatenund die Fellatastaaten, vonwelchen die ersteren haupt-sächlich um das Becken desTsadsees, die letzteren vor-wiegend im Stromgebiete desNiger liegen.
In geographischer Be-ziehung unterscheidet mandie Länder und Staaten desöstlichen Sudan, des mitt-leren Sudan und des west-lichen Sudan. Zur Länder-zone des Sudan gehört auchdie französische Colonie Se-negambien.
Ueber die Bodengestalt,die Vegetation etc. des Su-dan siehe die „AllgemeineUebersicht”.
1. Der östliche Sudan.
Dieses Gebiet bildete bis 1882 einen Bestandtheil vonAegypten und wurde bis dahin der „ägyptische Sudan” ge-nannt. Man verstand und versteht darunter die Gebiete vonDar Für, Kordofan und Sennaar, ferner die Landschaftenam Oberen Nil, soweit sie früher dem ägyptischen Reiche ein-verleibt waren. Dieses letztere Gebiet, hauptsächlich vomWeissen Nil’ mit seinem grossartigen Wassernetz (Bahr-el-Arab, Bahr-el-Ghasal, Sobat u. s. w.) durchströmt, begreift dieLänder einiger Negervölker— Schilluk, Nuer, Bongo, Mittu,Aliab, Bari — ferner die Heimsitze der Bedschavölker (vgl.S. 372), einzelne Enclaven mit arabisch-nigritischer und berbe-risch-nigritischer Mischbevölkerung in sich.
Der ägyptische Sudan befand sich, was seine südlicheHälfte — die sogenannte „Aeq’uatorialprovinz” — anbetrifft,eigentlich nur nominell unter der Herrschaft des Kliidiv. DieGegenden südlich von Dar Für und Kordofan standen nur ineinem losen Verbände zum ägyptischen Reiche.
Die Unterdrückung desSklavenhandels war, neben demFremdenhass und dem Rache-bedürfnisse gegenüber den bis-herigen Unterdrückern, die Ur-sache jener insurrectionellen Be-legung, welche zur Losreissungdes seit 1821 von den agypti-schenWaffen stückweise erober-ten östlichen Sudan führte. DerAnreger der Bewegung war einSchiffszimmermann aus Chartum— Mohammed Achmed —der im Juli 1881 ein erstesSendschreiben an die Sudanesenrichtete, in welchem der Brief-schreiber ausdrücklich seinegöttliche Sendung betonte undFreunde warb „zur Wiederauf-richtung und zum Siege desGlaubens”. Anfangs war dieWirkung dieses Sendschreibensgering, in Kürze aber erwarbsich Mohammed Achmed einenstarken Anhang, mit dem erdie ersten Schritte gegen^ dieRegierung in Chartum unter-nahm. Durch eine unverantwort-liche Saumseligkeit des ägyp-tischen Militärcommandanten inChartum konnte der „Mahdi”
(Messias) bald Erfolge verzeich-nen. Die Zahl der Aufständi-schen wuchs und im September1882 zog der Mahdi mit 60.000Mann in das von Iskander Beyhartnäckig vertlieidigte, von denBelagerern aber ausgehungerteEl Obeid, die Hauptstadt von
Kordofan, ein. — Zum Beginn des Jahres 1883 war in dem Theile des östlichenSudan, welcher sich zwischen dem Nil und dem Rothen Meere erstreckt, Os manDigma als Parteigänger des Mahdi aufgetreten und hatte Suakim bedroht. Nungriffen die Engländer ein und im März erschien der Oberst Hicks der indobritischenArmee in Chartum. Nach einem Siege bei Marabia drang Hicks Pascha nach Kor-dofan vor, wurde aber in den waldigen Defil6s von Kaschgil zwischen dem 1. und
4. September mit seinem ganzen Heerevon den Schaaren des Mahdi nieder-gemetzelt. — Als Retter in der Nothtraf am 18. Februar 1884 der GeneralG o r d o n (früher Generalgouverneur desSudan) in Chartum ein. Unterdessenhatten die Engländer von Suakim ausmit den Schaaren Osman Digma’s beiSinkat und Tokat zu thun. Ein an-deres Truppencorps rückte unter Be-fehl des Generals Wolseley nilaufwärts,um Chartum zu entsetzen. Es kam zuspät; trotz siegreicher Kämpfe derEngländer bei Abuklea und Metammewaren die Mahdisten am 28. Januar1885 durch Verrath seitens FaraghPaschas in Chartum eingedrungen undhatten in der Stadt ein furchtbaresBlutbad angerichtet, in welchem auchGordon unterging. Das Expeditions-corps Wolseley’s zog hierauf wiedernilabwärts ab und besetzte einigeOertlichkeiten in Nubien und Ober-ägypten. Bald hierauf starb MohammedAchmed und die Würde eines „Kha-lifen” fiel auf Abdallah, den jetzigenGebieter im vormals ägyptischen Sudan.
Die einzelnen I^andgebiete des östlichen Sudan sind:
a) Dar Für. Der wichtigste Theil des Landes ist das hoheMarragebirge. Nach Dr. Nachtig'al wären für Dar Für alscharakteristisch die zahlreichen Flussbetten hervorzuheben,welche den Westen, Südwesten und Süden des Landes durch-ziehen; der Norden und Osten des Landes sind ohne Flussläufe.Der Boden ist hier felsig und sandig und steht in schroffemGegensätze zu den übrigen Landstrichen, welche wegen derreichen Bewässerung- in hohem Grade fruchtbar sind. — DieBewohner Dar Fürs sind theils Araber, theils berberisch-nigritische und arabisch-nigritische Mischlinge, vorwiegend aberNeger. — Hauptstadt des Landes ist Fas eher.
b) Kordofan. Es dehnt sich im Osten von Dar Für und istim Grossen und Ganzen ein sanft gewelltes Savannenland. DerNorden des Landes ist eine einförmige Steppe, dessen höchstenPunkt die Hauptstadt des ganzen Gebietes — El Obeid —einnimmt. Die Bewohner von Kordofan sind vorwieg-end Neger,doch finden sich auch Mischlinge und arabische Nomaden-Tribuvor. Den Norden des Landes bis Dongola am Nil haben die
Landschaft bei Kassala.
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