Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
394
JPEG-Download
 

394

B. Mittelafrika. III. Aequatorial-Afrika.

Ein Kioko (Kalundastamm).

5 40.000 Quadratkilometer. Wirthschaftlichvon grösster Bedeutung ist das Beckendes Kuiluflusses, in welchem einegrosse Zahl von Stationen gegründetwurde. Die wichtigsten sind die folgen-den: Grantville, Rudolfstadt, Alexandra-ville, Stanley-Niadi, Franktown, Stepha-nieville, Strauchville, Philippeville undArthurville. Am Congo ist als wich-tigste Station Brazzaville amStanley-Pool zu nennen. Hauptort der älterenColonie im Gabun-Ogowegebiete ist Li-breville-Grass mit nur 165 Einwoh-nern (1885).

Natur- und Handelsproductesind: (Ogowe:) Kautschuk, Gummi, Ko-pal, Elfenbein, (Kuilu:) Palmöl, (Congo:)

Erdnüsse, Sesamsamen, Malachit, Elfen-bein.

Die Bewohner dieses Gebietesgehören noch durchwegs zur Negerrasseund sind die Galos und die (zum Theilenoch dem Cannibalismus ergebenen) Fanoder Pahuin die wichtigsten Stämmederselben. Ihnen zunächst kommen dieBakalai und die Mpongwe (Gabu-nesen).

c) Portugiesisch-Nieder-Guinea. Der

portugiesische Colonialbesitz an derKüste von Nieder-Guinea zerfallt indie kleine Colonie K ab in da (Congo-district) nördlich der Congomündung,

und in die grosse Colonie Angola südlich der Congomündung.

Das Gesammtareal beträgt circa 888.913 Quadratkilometer.

Von Wichtigkeit ist nur die südliche Colonie mit den dreiProvinzen Angola, Benguela und Mossamedes. Im Südenreicht die Colonie eine Strecke über den Cunene hinaus undendet am Cap Fr io. Landeinwärts reicht das Gebiet dersüdlichen Stammprovinzen bis zum Quango, dem Quanza-ursprung und bis zu einer Linie, welche von hier nach demoberen Cunene verläuft.

Die Küste von Angola ist wie überhaupt das ganzeWestgestade von Aequatorial-Afrika ungemein einförmig undunfruchtbar. Dem Küstenflachlande folgt eine 40 bis 100 Kilo-meter breite Uebergangsstufe zum Hochplateau des Inneren.

An der flachen Küste von Angola wird eine Erscheinung wahrgenommen, dieman an keinem anderen Punkte der Erde beobachtet. Es ist dies eine besondereForm der BrandungCalema genannt. Sie zeichnet sich schreibt Dr. J.Falkenstein durch lange parallele Wogen aus, welche schon weit vom Strandeihren Anfang nehmen und das Meer, so weit das Auge reicht, mit einem frisch ge-pflügten Ackerfelde vergleichen lassen. Die Wellenkämme zeigen im Augenblicke desUeberstürzens in ruhiger Zeit circa I Meter Höhe, wachsen aber bei bewegter Seebis zu 3 und 4 Meter an.

Während die Bewohner der kleinen (nördlichen) ColonieKabinda noch Neger sind, gehören die von Angola-Benguelabereits der Banturasse an. Besondere Rassenmerkmale besitzendie Angolesen nicht. Sie werden zumeist als Leute von kräf-tigem Körperbau und annehmbaren Gesichtszügen geschildert.

Die Hauptproducte der Colonie sind: Baumwolle, Zucker-rohr, Indigo, Reis, Kaffee, Kokosnüsse, Palmöl, Erdnüsse,

Kopal, Ricinus, Tabak, Holz,

Getreide, Gemüse, Obst.

Die Viehzucht liefert gutePferde und Rinder. An derKüste befinden sich ausge-dehnteFischereien, welcheeine nicht unbedeutende Aus-fuhr von trockenen Fischenbetreiben. Die (nicht ausge-beut eten) Minen enthalten:

Kohle, Petroleum, Schwefel,

Salz, Salpeter, Kupfer, Eisen,

Gold. Der Elfenbeinhan-del, der früher sehr bedeu-tend war, hat erheblich nach-gelassen.

Hauptort der Colonie ist SanPaolo de Loando (16.000 Einwoh-ner), zugleich Hauptort der ProvinzAngola. Sie liegt halbkreisförmig imHintergründe einer Bucht, an derenEnden je ein Fort den Hafen verthei-digt. Dieuntere Stadt, von Euro- Borna am Congo.

päern bewohnt, ist rein und hübsch, das Negervierteldagegen sehr verwahrlost. Nördlich von San Paolode Loando liegt Ambriz, die wichtigste Hafen- undHandelsstadt der Colonie. Mossamedes, Haupt-ort der gleichnamigen Provinz, liegt reizend an einerschönen Bai und ist wegen seines gesunden Klimasdie beliebteste Ansiedelung in der Colonie. Ben-guela (3000 Einwohner), Hauptort der gleichnamigenProvinz, äusserst malerisch gelegen, weitläufig gebaut,mit stattlichen Häusern und Magazinen. Wenn in derRegenzeit die Plätze und Strassen mit üppig wuchern-dem Grase und blühendem Unkraut bedeckt sind,gleicht die Stadt einem verwilderten Garten.

WMi~i

3. Der Congostaat.

Am 12. September 1876 hatte Leopold II.,König der Belgier, eine Anzahl hervorragender Geo-graphen und anderer Gelehrten zu sich berufen, umihnen einen Plan vorzulegen, nach welchem eine syste-matische Erforschung und Civilisirung, beziehungs-weise ökonomische Ausnützung jenes gewaltigen Erd-raumes, welchen wir Aequatorial-Afrika nennen, an-zustreben wäre. In der dritten Sitzung am 14. Septemberwurde dieInternationale afrikanische Gesell-schaft gegründet und über Antrag des MitgliedesSir Bartle Frere der König mit Acclamation zumPräsidenten gewählt. Als die Gesellschaft ins Lebentrat, hatte Stanley noch nicht seine epochale Congo-fahrt bewirkt. Die Thätigkeit der Gesellschaft er-streckte sich daher zu Beginn auf den östlichen Theilvon Aequatorial-Afrika.

Nach der Ankunft Stanleys an der Congo-mündung richteten sich nun die Unternehmungen derafrikanischen Gesellschaft vorwiegend auf das Gebietdieses Stromes. 1880 bereiste Stanley den unteren undmittleren Congo und gründete die ersten Stationen;im Juli 1881 befand sich der genannte Reisende bereitsam Stanley-Pool, und während er sich hierauf auf kurze Zeit nach Europa ver-fügte, setzten seine Mitarbeiter das begonnene Werk rüstig fort, das ganze Jahr 1882hindurch. Im nächstfolgenden Jahre gelang es Stanley, mit Benützung mehrerer kleinerDampfer, die man mit Umgehung der 32Livingstone-Fälle nach dem Stanley-Poolgebracht hatte, den ganzen Mittellauf des Stromes, bis zu den oberen Kata-rakten, zu befahren und dem Strome entlang Stationen zu gründen. Im Jahre 1884war die Kette der Stationen in der ganzen Breite von Aequatorial-Afrika, vonKüste zu Küste (mit Ausnahme der Strecke Njangwe-Stanley-Fälle) geschlossen;am 18. März 1884 lief der zerlegbare DampferLe Cambier zu Karema in dieFluthen des Tanganjikasees.

Durch eine im December 1884 nach Berlin einberufene Conferenz, zu welcheralle interessirten Mächte Delegirte entsendet hatten, wurden die internationalen Be-ziehungen zu dem künftigen Congostaate endgiltig geregelt. Es erfolgte zunächstvon Seite der Mächte die Anerkennung der Internationalen Association alsStaatDerselbe führt eine blaue Flagge mit goldenem Stern in der Mitte. Hinsicht-lich der räumlichen Begrenzung des Congostaates konnten präcise Bestimmungen nichtgetroffen werden, da es sich hierbei zum Theile um Gebiete handelte, die bis dahinvon keinem Europäer betreten, geschweige durchforscht worden waren. Die Unab-hängigkeitserklärung des Congostaates erfolgte durch die Generalacte der BerlinerConferenz, welche als Vertragsinstrument von 14 betheiligten Contrahenten am 26. Fe-bruar 1885 in Berlin unterzeichnet wurden.

Auf der Berliner Conferenz wurden für den Congostaatfolgende provisorischen Grenzen festgestellt: an der West-küste (etwa unter dem 5. 0 Südbreite) bildet der Tschiloangodie Grenze zwischen Französisch-Nieder-Guinea und dem Congo-gebiete. Von der Quelle des genannten Flusses zieht die Grenzein gerader Linie bis in die Nähe von Manyanga am rechtenUfer des Congo ; längs dem sie bis zu einem Punkte zwischendem Aequator und dem i.° Nordbreite verläuft. Von hier ziehtdie Grenze bis zum 4.° Nordbreite und folgt diesem Breiten-kreise in östlicher Richtungbis zum 30. 0 Ostlänge (vonGreenwich). Sodann verläuftdie Grenze in fast directsüdlicher Richtung bis zumSeeMutaNsige, umschliesstdenselben und geht dann ineinem westlich ausgreifendenBogen nach dem Oberlaufedes Congo, dem Lualaba.Die Grenze folgt dann die-sem Flusslaufe bis zum 8.°Südbreite, d. h. bis zumKas-salisee, wendet sich dannwestwärts nach dem Kwan-go, einem der grössten Ne-benflüsse des Congo, folgtdem ersteren bis zum 6.°Südbreite, nimmt dann einewestliche Richtung und endetbei Noki am Congo. Dasganze Südufer des Stromes,