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B. Mittelafrika. — III. Aequatorial-Afrika.
lionen Francs (um i Million mehr als im Vorjahre); die Einfuhrauf 6 Millionen Francs. Ausgeführt wurden hauptsächlich Kaffee ;Elfenbein ; Kautschuk und Gummi.
Die wichtigsten Handelsplätze und Administrationsorte sindBanana ; Borna und Vivi am unteren Congo ; beziehungsweisean dessen Mündung.
■Welchen Werth — fragt der deutsche Afrikareisende Max Büchner —wird das Congobecken in Zukunft für den Europäer haben? Die Unmöglichkeiteuropäischer Ackerbaucolonien im tropischen Afrika ist durch das Aussterben derportugiesischen Yerbrechercolonie bei Malange erwiesen. Das Klima macht eben demEuropäer angestrengte Körperarbeit unmöglich. Aber auch der europäische Kaufmannvermag im Allgemeinen gegen den eingeborenen Händler nicht aufzukommen;in diesem Wettkampfe der beiden Rassen muss der minder klimaangepassteWeisse unterliegen. Eine erfolgreiche Concurrenz ist nur da zu erhoffen, wosie durch Dampferverkehr erleichtert wird, d. h. für unser Gebiet längs desCongo von Livingstone-Pool bis Stanley-Pool und zu beiden Seiten derCongomündung von Gabun bis Ambriz. Hier errichtete Factoreien versprechenfür die nächsten 50 Jahre noch einen einträglichen Kautschuk- und Elfen-beinhandel. Späterhin würde man den Versuch machen müssen, die Eingebo-renen zur Arbeit zu erziehen, allerdings unter Ausschluss übertriebener Huma-nitätsschwärmerei, und dadurch die Anlage von Vanille-, Chocolade-, auchChininplantagen ermöglichen.
Nachdem durch die Generalacte der Berliner Con-ferenz am 26. Februar 1885 die Unabhängigkeitserklärungund die völkerrechtliche Stellung des Congostaates erfolgtwar ; sanctionirte am 28. April desselben Jahres die belgi-sche Kammer die Uebertragung der Hoheitsrechte überden neuen Staat an den König der Belgier mit demTitel „Souverän des Congostaates”. Gleichzeitig wurdendie neuen Ressortministerien für die Verwaltung desCongostaates — welche ihren Centralsitz in Brüssel hat —organisirt. Im Congostaate selbst vertritt der General-gouverneur die Regierung.
Die Ausübung der Hoheitsrechte beschränkt sich gegenwärtig im Grossenund Ganzen nur auf den Congostrom selbst, beziehungsweise auf seine Ufer-striche, zu welchem Ende eine grössere Zahl von Stationen angelegt wurden,die zugleich Mittelpunkte des Tauschhandels mit den umwohnenden Völkerstämmensind. Am dichtesten liegen diese Stationen zwischen der Küste und dem Stanley-Poolbei einander. Die wichtigsten sind (ausser den bereits genannten Hauptfactoreien undAdministrationsorten Banana, Boma und Vivi): Noki, Voonda, Lukunga, Ma-nianga, Ngombi, Lutete, N’goma, Leopoldville und Kimpoko, die letzt-genannten zwei am Stanley-Pool. — Nördlich vom Stanley-Pool bis zum Aequator:Kuamut, Bolobo, Lukolela, N’gondo und die Aequatorstation. Bis hierher(von der Station Manianga angefangen) gehört das ganze rechte Ufer des Congo zuFranzösisch-Nieder-Guinea.
Von der Aequatorstation stromauf des Congo ist die Zahl der Stationen gering.Die wichtigsten sind: Bangala, Upoto, Aruwimistation und Fallsstation;letztere ist, wie bereits gesagt, seit einiger Zeit, in Folge fortgesetzter Angriffe derumwohnenden Stämme und der arabischen Händler, verlassen.
Von den Oertlichkeiten im Congostaate, welche voralters vorhanden waren, istdie wichtigste Njangwe, am Oberlaufe des Congo (Lualaba), Endpunkt des ostafrika-nischen Ueberlandhandels. — Am Westufer des Tanganjikasees ist M’p a l a > amOstufer Kar6ma zu nennen. 5
J. H. Speke entdeckt und bildet den Hauptquellsee des Nils.Nach Stanley’s Schilderungen wären die Uferländer des Ukerewezu den schönsten Gegenden von Afrika zu zählen. Festland undInseln sind mit einer üppigen Vegetation bedeckt. Nachdemder Nil dem Ukerewe entströmt ist ; ergiesst sich ersterer nachlängerem Laufe in nordwestlicher Richtung in den M’wutan-see ; um demselben wieder zu entströmen. Das letztgenannteBecken ist sonach der zweite Quellsee des Nils. Zum Nilsystemgehört auch noch der Akanjarusee, welcher südwestlich desUkerewe liegt. Der nordwestlich vom Akanjarusee gelegene;
Nasimoja (öffentlicher Garten) in Sansibar.
4. Ostafrika.
Ostafrika bildet das Uebergangsgebiet von Aequatorial-Afrika zur Küste des Indischen Oceans. Die Küste dehntsich zwischen der Mündung des Sambesi im Süden und derMündung des Juba im Norden. Binnenwärts umfasst diesesGebiet die mächtige Plateauzone, in welche die grossen SeenAfrikas eingebettet sind.
Man unterscheidet drei Seen gruppen: die nördliche; mittlereund südliche.
Zur nördlichen Seen gruppe gehört in erster Linie dergrosse Ukerewesee (auch „Victoria Njansa” genannt; 75.000Quadratkilometer Flächeninhalt). Er wurde am 30. Juli 1858 von
Sansibar.
von Stanley entdeckte Muta N'sigesee gehört dagegen wahr-scheinlich zum Congosystem.
Die zweite ; mittlere Seengruppe gehört zum Stromsystemdes Congo. Das grösste und wichtigste Becken dieser Gruppeist der Tanganjikasee. Er wurde 1858 von Richard Burtonentdeckt und bildet ein ungeheures Wasserbecken; welches sich;bei relativ geringer Breite; über fast 7 Breitengrade in nichtganz nordsüdlicher Richtung dehnt. Die Zugehörigkeit des Tan-ganjikasees zum Congosystem wurde 1874 durch die Entdeckungseines Abflusses Lukuga, der in den Lualaba fällt; sicher-gestellt. — Zur mittleren Seengruppe gehören ferner die kleinerenBecken des Moerosees und des Bangweolosees (20.000 Qua-dratkilometer). Letzterer hat durchwegs flache Ufer ; welche erwährend der Regenzeit auf grosse Entfernung und häufig biszu einer Höhe von 2 Meter überschwemmt. Der wichtigsteunter den Zuflüssen; welche den Bangweolosee speisen, istder Tschambesi, welcher für den Quellfluss des Congo gilt.
Die dritte südliche Seengruppe gehört zum Stromsystemdes Sambesi. Das grösste Becken dieser Gruppe ist der Njassa-see (36.800 Quadratkilometer), von Livingstone am 16. Sep-tember 1859 entdeckt. Der See erstreckt sich in nordsüdlicherRichtung über 3V2 Breitengrade und ist allenthalben von Bergenumgeben. Die Ufer des Njassa ernähren eine überaus dichtsiedelnde Bevölkerung. Der Boden ist allenthalben gut bestellt.Der Abfluss des Njassa ist der Schire, welcher sich in denUnterlauf des Sambesi ergiesst. Südöstlich vom Njassa liegtder kleine Schirwasee, von dem ein Abfluss noch nicht be-kannt ist.
Das Hochland von Ostafrika fällt in langgestreckten, vonParallelketten gebildeten Terrassen zum Indischen Ocean ab,an welchem es eine durchschnittlich 80 bis 100 Kilometer breiteGestadeebene freilässt, die aber stellenweise bis auf 10 Kilo-meter Breite eingeengt ist. Man nennt dieses Gestade die Suaheli-küste. Früher wenig beachtet, hat sie in den letzten Jahrendurch die Gründung der deutschen ostafrikanischen Ge-sellschaft, welche einen Theil dieses Küstenlandes in Besitzgenommen hat, erhöhte Bedeutung erlangt. Das Küstenland istziemlich dicht bevölkert und ist reich an tropischen Wäldernund an einer üppigen Vegetation. Je weiter man landeinwärtsvordringt, desto dichter werden die Wälder; sie beherbergenPanther, Hyänen und auch Löwen. Noch weiter binnenwärts folgenGrasfluren. Sie steigen gegen Westen allmählich an und gehenschliesslich in die erste Küstenterrasse über. Das Gebirgsland,welches sie von der Küstenebene scheidet, führt den NamenUsagara. Die Bodenerhebung ist hier eine sehr bedeutende,denn man kennt Gipfel, welche sich bis zu 2000 Meter erheben.Diese Gebirgskette bildet zugleich die östliche Grenze jenesPlateauabfalles, der in die Hochebene von Ugogo übergeht.