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C. Südafrika. — 2. Inner-Südafrika.
Jö.
Uebergang über das Drakengebirge aus Natal nach Transvaal.
2. Inner-Südafrika.
Man begreift darunter das Gebiet nördlich des Oranje-flusses und seiner südöstlichsten Quellflüsse, nordwestlich derhohen Randgebirge des Capgebietes (Drakenberge etc.), west-lich der Provinz Sofala der portugiesischen Colonie Mofam-bique ; und östlich von Deutsch-Südafrika. Im Norden istInner-Südafrika vom Cunene und vom Sambesi und dem zwi-schen diesen beiden Flüssen liegenden Gebiete begrenzt.
In politischer Beziehung unterscheidet man:
a) Die südafrikanische Republik (Transvaal);
b) den Oranje-Freistaat;
c) das englische Schutzgebiet;
d) die Eingeborenenreiche.
a) Die südafrikanische Republik, oder der Transvaalstaat, erstreckt sichnördlich des Vaalflusses (eines rechtsseitigen Nebenflusses des Oranje-flusses), von 22*5° Südbreite bis 28° Südbreite, im Osten bis in dieNiederungen der Ostküste des Continents, im Westen bis zu den Bet-schuanaländern. Fast die ganze Nordwest- und die Nordgrenze fallt mitdem Limpopoflusse zusammen. Die rechtsseitigen Nebenflüsse desselbenbewässern das Land in mehr oder weniger ausgiebiger Weise. Das Gebiet,welches einen Theil des grossen südafrikanischen Hochlandes bildet, senktsich vom Rathlabagebirge in sanft geneigten ebenen Stufen, die vonmehreren isolirten und zum Drakengebirge in meist stumpfen Winkelnverlaufenden Bergzügen überhöht werden, gegen den Limpopo. Die west-lichste dieser Bergketten ist der D wars (d. h. „Querberg”) und der Waten-berg. Nur ein kleiner Theil des Landes gehört zum Wassergebiet desOranjeflusses; der beiweitem grössere Theil ist im Stromgebiete des Lim-popo gelegen.
Die südafrikanische Republik umfasst einen Flächenraum von 308.200Quadratkilometer; die Bewohnerzahl betrug nach einer Berechnung vomJahre 1886 374.848 Seelen, wovon etwa 75.000 weisse Ansiedler, der Restschwarze Eingeborene (Basuto, Makatee, Zulu u. a.) waren. Der Confessionnach zählte man 45.000 Protestanten, 15.000 andere Christen, sodann Heiden.
Die Ansiedlung in Transvaal begann im Jahre 1835, un d zwar mit dem Auszuge der mit derenglischen Colonialregierung mit Recht unzufriedenen Bauern des Caplandes. Nach blutigen Kämpfenmit den Ama-Zulu, die zu Beginn des Jahres 1838 besiegt und unter die Botmässigkeit der Bauerngebracht wurden, constituirten sich letztere als „Batavisch-afrikanische Maatschappij” (Gesellschaft),doch wurde den Bauern seitens der Regierung des Caplandes das Recht bestritten, eine selbständigeGenossenschaft zu bilden. Nach langwierigen blutigen Kämpfen mit der englischen Regierung, undnachdem grössere Massen von Emigranten über den Vaalfluss nordwärts hinausgezogen waren, er-folgte 1848 die Gründung der „Transvaal’sehen Republik”, welche sich von nun ab durchfast dreissig Jahre einer ruhigen Entwickelung erfreute. Im Jahre 1877 aber wurde die südafrika-nische Republik von England annectirt. Dieser widerrechtliche Act führte zu blutigen Kämpfen inden Jahren 1880 und 1881, zufolge welchen das Land unter der Bezeichnung „SüdafrikanischeRepublik” 1884 an die Bauern (Boern, sprich: Burn) zurückgegeben wurde.
Die derzeit zu Recht bestehende Verfassung wurde bereits 1858 (am 13. Februar) pro-clamirt. Der gesetzgebende Körper (Volkraad) besteht aus 30 direct gewählten Abgeordneten;
die Executive liegt in den Händen des ausführenden Rath es. — An der Spitze der Regierungsteht ein Präsident (seit 1883 S. J. P. Krüger, bis 1888 gewählt). Es ist kein stehendes Heervorhanden, aber alle Männer sind wehrpflichtig. Dass diese Organisation der Republik nicht zumSchaden gereicht, beweisen deren wiederholte Siege über die regulären britischen Truppen.
Die wichtigsten Natur- und Handelsproducte des Landes sind: Wolle, Ochsen, Korn,Häute, Hörner, Straussenfedern, Elfenbein, Tabak, Butter, Branntwein. Der wichtigste ökonomischeZweig ist die Viehzucht und bilden die ungeheuren Heerden der Boern deren bedeutendsteNahrungsquelle. Sehr ergiebig ist die Jagd. Die unermesslichen Grasfluren des Tafellandes beher-bergen grosse Mengen von Wild aller Art: Gazellen, Antilopen, Zebras, Gnus, Elephanten, Leo-parden, Luchse, Springböcke, Blau- und Grauböcke; ausserdem grosse Schaaren von Vogelwild. —Das Mineralreich liefert Gold, Silber, Kupfer, Wismut, Kobalt, Steinkohlen.
Die Hauptstadt der Republik ist Pretoria (3000 Einwohner), an denQuellen des Apiesflusses gelegen, Sitz der Landesbehörden, weitläufiggebaut, aber ohne Interesse.
Andere wichtigere Oertlichkeiten sind: Potschefstroom (2000 Einwohner), in einer weitenGrasebene, nicht weit vom Mooi, einem Nebenflüsse des Vaal. — Heidelberg mit 2000 Ein-wohnern. — Lydenburg (2000 Einwohner), hoch auf dem Plateau am Fusse des Kathlamba-gebirges gelegen, mit Goldbergwerken und Goldwäschereien. Zoutpansberg (d. i. Salzpfannenberg),die nördlichste grosse Ansiedlung des Freistaates, zugleich die älteste, da sie 1835 von den erstenAuswanderern gegründet wurde. — Die meisten Ortschaften sind regelmässig angelegt, die Strassenbreit und geradlinig, mit fliessendem Wasser versehen.
b) Der Oranje-Freistaat. Dieser seit 1835 durch die Auswanderungder holländischen Colonisten aus dem Caplande entstandene Staat dehntsich im Süden des Vaalflusses und reicht im Osten und Südosten bis zuden Randgebirgen des Capgebietes. Dieser Staat bildet das Verbindungs-glied zwischen der Capcolonie und der Südafrikanischen Republik. ImSüden des Freistaates bildet der eigentliche Oranjestrom (Nu Garieb) dieGrenze, im Westen das Betschuanagebiet.
Der Oranje-Freistaat umfasst einen Flächenraum von 107.439 Qua-dratkilometer; die Bewohnerzahl betrug nach der Zählung vom Jahre 18801 33-5 1 8 (nach einer Berechnung vom Jahre 1882 135.948) Seelen, meistHolländer protestantischer (reformirter) Confession. Die Ansiedler sindackerbautreibende Viehzüchter, welche auf die Zucht von Hornvieh undPferden ihre ganze Wirthschaft eingerichtet und darin so grosse Fort-schritte gemacht haben, dass der Freistaat eine Hauptquelle zur Ver-sorgung des Caplandes mit Schlachtvieh geworden ist. Für die Schafzuchtbietet das Land die günstigsten Bedingungen. Dagegen liefertdie Bodencultur nur so viel, als zur Deckung des eigenenBedarfes nothwendig ist.
Die wichtigsten Handelsartikel sind: Wolle, Straussen-federn, Vieh, Häute, Antilopenfelle, Hörner, Diamanten. — Sehrergiebig ist die Jagd, aber nicht in dem Maasse wie in Transvaal.
Die derzeit zu Recht bestehende Verfassung wurde 1854 (am 10. April)proclamirt, am 9. Februar 1886 jedoch revidirt und von neuem sanctionirt. An derSpitze der Regierung steht ein Präsident (seit 1884 J. Hendrik Brand, bis 1889gewählt); die gesetzgebende Körperschaft ist die Kammer (Volkraad), welche aus 50vom Volke gewählten Mitgliedern besteht; an der Spitze der Executive steht derPräsident. Als ständige bewaffnete Macht fungirt eine Miliz von 415 Mann; imKriegsfälle sind alle Bürger dienstpflichtig. Das Land zerfällt in administrativer Be-ziehung in 17 Landdrosteien.
Südafrikanisches Reisefuhrwerk.