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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Die Polargebiete. — Allgemeine Uebersicht.

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tritt an dieser Spitze einAusströmen der negativenElektricität ein; die Aus-strömung dagegen erfolgtin der Richtung nach denpositiv elektrischen oberenLuftschichten.

Die Nordlichter tretennicht während des ganzenJahres in gleicher Anzahlauf, sondern die Häufigkeitihrer Erscheinung erreichtwährend derTag- und Nacht-gleichen ihr Maximum undnimmt dann wieder ab, bissie zur Zeit der Solstitienihr Minimum erreicht hat.

Die Zahl der Nordlichterzeigt aber auch eine perio-dische Schwankung, in derArt, dass nach ungefähr elfJahren stets ein Maximumeintritt, welches mit demErscheinen der Sonnen-flecken in einem noch ganzunbekannten Zusammen-hänge steht; es zeigt, wiediese, in dem Zeiträume vonfünf Perioden (also etwa56 Jahren) wieder eine Ab-ünd Zunahme.

In schönster Lichtent-faltung und am häufigstentritt das Nordlicht in denGegenden am Grossen Bä-rensee in Nordamerika (alsoin der Nähe des magne-tischen Pols), dann amSüdende von Grönland undan der Nordwestküste vonGrönland auf. In dem an Nordeuropa grenzenden Theil der arktischen Region rückendie Nordlichterscheinüngen in Bezug auf Häufigkeit und Intensität erheblich nachNorden vor, während sie im sibirischen Eismeer sich wieder der ISTordküste vonAsien nähern.

Wenn man von den Polarregionen spricht; hat man inerster Linie deren gewaltige Eismassen vor Augen. Wir habenüber diesen Gegenstand uns anderwärts (vgl. S. 24 u. ff.) aus-führlich ausgesprochen. Was hier nachzutragen wäre, sind diepolaren Gletscher, also das festländische Eis, welches allerdingsdas Reservoir ist, aus welchem die schwimmenden „Eisberge”hervorgehen. Nach Carl Weyprecht, dem wir hier in der Haupt-sache folgen („Die Metamorphosen des Polareises”), geht diefortschreitende Umwandlung des Schnees in Eis in den Polar-gebieten ganz nach den gleichen bekannten Gesetzen wie inunseren Hochgebirgen vor sich. Dort wird der Schnee an jenenStellen, von welchen ihn die Winterstürme wenigstens zumTheile fortgetragen haben, im Sommer noch auf bedeutendenHöhen verzehrt, allein in den Thälern und überall dort, wo einegrössere Anhäufung stattgefunden hat als der mittlere Nieder-schlag im Laufe des ganzen Winters, reicht die Schneegrenzebis zum Meere herab. Die Folge ist, dass die Gletscher bis zumMeere herabreichen und in dasselbe münden. Die Flüsse undStröme, welche in wärmeren Gegenden den Niederschlag vomfesten Lande dem Meere zuführen, werden in hohen Breitendurch die Gletscher ersetzt. Allüberall, wo hohes Hinterlanddie Anhäufung des Schnees im Laufe der Jahre begünstigt,sieht man in den Polargegenden jedes Thal zu einem Gletscher-

Nadelgletscher auf Spitzbergen.

bett verwandelt; alle Einsenkungen sind Flussläufe, die stattWasser ungeheure Massen von Eis in langsamem, aber um somächtigerem Andrange dem Meere zuführen.

Ein ausserordentlich lehrreiches Bild für diese Gletscherentwickelung bietetGrönland mit seinen ausgedehnten Hochebenen und Gebirgen, welch letztere bisnahe zur Rüste Höhen von 3000 Meter und darüber erreichen. Rane, Hayes,Whymper, Nordenskiöld und Andere haben versucht, in das Innere des Landes ein-zudringen, allein Reinem von ihnen gelang es, die Hindernisse zu überwinden,welche die zerklüfteten Gletschermassen darbieten. Diese Gletschermassen suchen aufallen Seiten einen Ausfluss und finden ihn in jedem Thale, das in das Meer mündet.Dem Hintergründe und den Seitenthälern jedes Fjords entspringen mächtige Gletscher.Im Osten und im Süden der Westküste von Grönland ist die grossartige Entwicke-lung der einzelnen Gletscher durch die überall tief einschneidenden Fjorde mehr ge-hindert; in ihrer Mächtigkeit tritt die Eismasse erst höher im Norden — im Hum-boldtgletscher — zu Tage, der sich zwischen dem 79. und 80. Breitengrade inden Smithsund ergiesst. 450 Rilometer breit schiebt sich dort eine ununterbrocheneEismasse in das Meer hinein; in senkrechtem Absturze erhebt sie sich 100 Meterüber die Oberfläche des Meeres, eine einzige solide, nur von senkrechten Spaltenzerrissene Eiswand.

Die am grossartigsten entwickelten Gletscher besitzt das antarktische Gebiet.Jene bekannte Eiswand, längs welcher Sir James Clark Ross mehrere tausend Rilo-meter weit hin fuhr, ohne ihr Ende zu erreichen, ist nichts Anderes als die Bruchflächeeines ganz gewaltigen Gletschers. Dementsprechend sind auch die Eisberge des ant-arktischen Oceans. Sie liegen oft zu Hunderten beisammen und sind theilweise voneiner Grösse, die im arktischen Gebiete noch niemals beobachtet worden ist. DerUrsprung solcher Eisberge verräth sich häufig durch die Erde und die Felsblöcke,welche sie mit sich führen. Dieser Schutt hat ursprünglich den Moränen angehört,welche sich auf jedem grösseren Gletscher dadurch bi]den, dass das Gestein dermeistens steilen und felsigen Gletscherwände zerbröckelt herabstürzt und durch denGletscher weiter getragen wird. Die Bänke von Neufundland, ferner jene im Südenvon Spitzbergen u. a. m. verdanken wahrscheinlich theilweise ihre Bildung denEisbergen, die sich dort im gesetzmässigen Zuge gegen Süden auflösen,sobald sie mit dem wärmeren Wasser Zusammentreffen und die dem Nordenentführte Last abwerfen. Im Laufe der Jahrtausende können sich auf dieseArt ausgedehnte Bodenerhebungen bilden.

Aber auch das Flächeneis, welches frei im Meere entsteht, ist inimmerwährender Bewegung. Am grossartigsten tritt diese Bewegung in densogenannten Eispressungen auf (vgl. S. 24). Doch auch sonst herrscht eingeheimnissvolles Leben in diesen starren Massen . . . „In der durch keinenLaut, keinen Vogelschrei, keinen Fusstritt eines lebenden Wesens unterbro-chenen imponirenden Einsamkeit der langen arktischen Nacht, die bei Wind-stille das Rnistern des Schnees unter den Füssen des vorsichtig auftretendenEisbären schon in weiter Entfernung hörbar macht und in der man auf IOOOMeter die Stimme eines kräftig sprechenden Menschen vernehmen kann,pflanzt sich der Ton bis auf unglaubliche Distanzen fort. Bald drang dasGeräusch des Eisschiebens kaum hörbar, ein blosses Gemurmel, wie das ferneSpiel der Wogen an steiler Rüste, aus weiter, weiter Entfernung zu unsherüber, bald dröhnte und brüllte es in der Nähe, als jage eine ganze Colonneschwer beladener Wagen über die unebene Eisfläche dahin. Das Schiessenund Donnern der splitternden Eisdecke, das Rnirseben und Singen der über-einander hinwegschreitenden Schollen und Tafeln, das Poltern und Rrachender stürzenden und zerschellenden Blöcke, das regelmässige Rlappern desauf brechenden und in gleichförmigen Stücken übereinander fallenden jungenEises, das Jammern und Rreischen der im Nachgeben begriffenen Platten:alle diese Töne bildeten einzeln oder vereint ein Concert, das uns, bald klarund deutlich in erschreckender Nähe, bald unbestimmt aus weitester Fernedurch Monate fast ununterbrochen in den Ohren klang.” (C. Weyprecht.)

Eisberge am Clarielande. (Antarktisches Gebiet.)

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