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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Weltverkehr. — B. Die Verkehrsmittel zu Land.

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Ueberblicken wir die Resultate des modernen Verkehrslebens, sodrängen sich uns zwei Thatsachen auf: der Triumph der Naturwissen-schaften und die Wiederbelebung von cultureilen Beziehungen im inter-nationalen Verkehr auf längst verlassenen Pfaden. Dass die Erfindungenund Entdeckungen auf dem Gebiete der Naturwissenschaften die bedeu-tungsvollsten Umwandlungen im Leben der Menschheit hervorgerufenhaben, bedarf wohl keiner weiteren Beweisführung. Mächtiger und tiefereingreifend als alle vorangegangenen Errungenschaften und Schöpfungendes menschlichen Geistes wirkte die Erfindung und Anwendung desDampfes und die Entdeckung und praktische Verwerthung der Elektri-cität. Diese beiden Errungenschaften haben die alten Staaten, die altenVerwaltungen, Länder und Völker umgestaltet, die Lebensbedingungenmodificirt, auf einen neuen Boden gestellt. Insbesondere sind es die Ver-hältnisse der physischen Kräfte und Arbeit, des Raumes und der Zeit,welche durch die Ausnützung der genannten Naturkräfte völlig umge-staltet worden sind. Und wie sie, den Augenblick verändernd, in eineferne Zukunft bestimmend eingreifen, wirkten sie auch auf das Leben der•Vergangenheit zurück und gaben allen Schöpfungen des menschlichenGeistes erst ihren vollen Werth.

Das zweite Moment im modernen Weltverkehr ist das der Wieder-belebung der im Laufe der Jahrhunderte, ja Jahrausende verloren ge-gangenen Beziehungen. Die alte Culturwelt, welche im Wandel der Zeitenstückweise unterging, gerieth nach und nach ganz ausser alle Beziehungenmit Europa, welch letzteres zum Schauplatze eines Culturlebens mit völligveränderter Grundlage geworden war. Gleichwohl bedurfte das neue Lebender Befruchtung, und diese ging — wenn auch nur geistig — vom Orientaus. Die Werke der alten Civilisationen prägten sich in den Lichtumrissender aus der Verwirrung des Mittelalters sich emporringenden mensch-lichen Strebungen aus. In Griechenland und Italien — und will man dieAnknüpfungen weiter entwickeln: aus Aegypten und Vorderasien — warengeistige Güter das Erbe, welches das junge Europa angetreten hatte.Hieraus entwickelten sich neue Culturgrade, die fast ausschliesslich aufErfindungen und Entdeckungen auf dem Gebiete der Naturwissenschaftenberuhten. Neues Wissen, neue Kenntnisse und Fertigkeiten führten aufuralte Spuren zurück.

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Südafrikanisches Reisefuhrwerk.

Und in welch grossartiger Weise hat die neue Zeit diese Spuren auszunützengewusst, um die verschollenen alten Culturstaaten für ihre Zwecke heranzuziehen!Wenn wir unsere Blicke auf die verödeten, in einem Scheinleben erstarrten GebieteAssyriens und Babyloniens werfen, geschieht es derzeit nicht mehr aus ausschliesslichgelehrtem Bedürfnisse. Der intelligente Volkswirth vermuthet dort andere Schätze,die nicht, minder werthvoll sind, als die geistigen Erinnerungen der ältesten Cultur-völker. Er sieht die Spur uralter Handelsbeziehungen und zugleich den Weg, dendie Cultur nach Westen genommen. Dorthin aber strebt der moderne Unternehmungs-geist zurück. Dazu besitzt er ein Hilfsmittel, das ohnedies bereits drei Viertel unseresPlaneten erobert hat — die Schiene. Selbst an den verriegelten Pforten des „Himm-lichen Reiches”, das seit Menschengedenken eine exclusive Stellung einnimmt, rütteltder moderne Poltergeist in Gestalt von Dampfunternehmungen und Telegraphen.Dieser Geist wird dortselbst riesige Widerstände zu bewältigen haben, dann abermöglicherweise zu ungeahnter belebender Kraft gelangen; denn geheimnissvoll bleibtdie Zukunft einer Culturarbeit, welche mit so schwerwiegenden Factoren: unermess-lichen Länderräumen und nach Hunderten von Millionen zählenden Völkerschaftenzu rechnen hat.

So hat der Wandel der Zeit zu einer Gemeinsamkeit der Menschheit geführt,die ein Product der universellen Arbeit ist. Diese Arbeit hat einen ganzen Continent_ Amerika — in fabelhaft kurzer Zeit erobert, sie hat ungeheure Reichthümer ge-schaffen, ausgedehnte Länder aus ihrer Barbarei aufgerüttelt, die ganze Erde zumTummelplätze ihrer fieberhaften Thätigkeit gemacht. Wo es galt, die Verhältnisse inRaum und Zeit zu modificiren, ist dieser Arbeitsdrang vor keiner Grossthat zurück-geschreckt. Wenn er die Oceane sich dienstbar gemacht hat, indem er in sie ein un-endlich reiches Leben verpflanzte und die Verkehrswege wie Nervenfäden in alleWinkel der Continente zog, ist er auch vor noch Grösserem nicht zurückgeschreckt,

von der Führung der geheimnissvollen Naturkraft durch die Tiefen der Meere autHunderttausende von Kilometern, dem Gedanken Schwingen leihend.

Neben dem Telegraphen, welcher ein ideelles Verkehrs-mittel ist, entwickelt sich der Weltverkehr auf einem eng-maschigen Netze von Communicationen, welche sich in diezwei Hauptgruppen der festländischen Communicationenund der Seewege scheiden. Die binnenländischen Communica-tionen zerfallen in: I. Strassen und Karawanenwege, II. schiff-bare Flüsse und Canäle und III. Eisenbahnen.

I. Strassen und Karawanenwege.

Trotz des grossartigen Aufschwunges, welchen in unsererZeit der Dampfbetrieb genommen, hat die „Strasse”, d. h. dasursprüngliche und älteste Verkehrsmittel, ihre Bedeutung nichtverloren. In den Culturstaaten allerdings wurde die Landstrassedurch die Entwickelung des Schnellverkehrs in den Hintergrundgedrängt und ihr nur die Rolle einer Vermittlerin im örtlichenVerkehre belassen. Immerhin bildet ein gut entwickeltesStrassennetz selbst in den Culturstaaten einen ökonomi-schen Factor von nicht zu unterschätzender Bedeutung*,zumal in Ländern, welche auf Grund ihrer bodenplastischenVerhältnisse ein nicht sehr entwickeltes Eisenbahnnetzbesitzen. In Gebirgsländern tritt die Wichtigkeit guterStrassen besonders scharf hervor. Die Kunststrassen, welcheüber die Alpenpässe führen — zur Zeit ihrer Schöpfung alsWunderwerke gepriesen — dienen noch immer wichtigenInteressen, wenn auch ihre einstige Bedeutung im Welt-verkehr für immer dahin ist. Dem Gütertransport dienendiese Verkehrswege nur mehr in sehr beschränktem Maasse,wie denn überhaupt in den Culturländern die Landstrasseeine örtlich beschränkte Rolle im Verkehrsleben bildet.

Anders verhält es sich in dieser Beziehung ausserhalbder Culturstaaten. Fast ganz Asien, Afrika, der grössteTheil von Australien und Südamerika sind in ihrer Ver-kehrsthätigkeit noch durchwegs auf die Landstrasse ge-wiesen, sei sie nun ein thatsächlich gebahnter Weg, odereine durch Gewohnheit und Bedürfniss betretene festlän-dische Verkehrslinie (Karawanenweg). Der ungeheure Erd-raum des chinesischen Reiches, die Länder Mittelasiensund Nordasiens, die hinterindische Halbinsel, grosse Land-abschnitte in Vorderindien, ganz Westasien mit der Halb-

Tarantass.

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