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Die Baukunst in ihrer chronologischen und construktiven Entwicklung / G. Lasius
Entstehung
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EINLEITUNG.

Xn den Denkmalen der Kunst spiegelt sich die Entwicklung, das geistigeLehen der Völker. In welche Faser des Lehens greift die Kunst nicht hin-ein, wo Hesse sie sich vom Leben trennen, ohne zugleich jegliche Regung fürEdles und Schönes zu ersticken?

In der bildenden Kunst steht die Baukunst oben an, sie führt den Reigenin dem die Schwesterkünste Sculptur und Malerei innig verbunden die er-habensten, edelsten Gedanken menschlichen Sinnens verherrlichen, und doch istkeine dieser drei Künste mehr an den Stoff gebunden, greift mehr in das täg-liche Leben ein, als die Baukunst. Aus dem Bedürfniss gehen zunächst dieBauwerke hervor; ihre Construction, die technische Ausführung, ist bedingtdurch die statischen Gesetze, durch die Eigenschaften des Materials; aber einWerk das blos diesen Gesetzen genügt, gehört der Architektur noch nicht an,dazu ist mehr erforderlich. Suchen wir uns das Wesen der Baukunst an einembestimmten Faüe deutlich zu machen.

Ein Volk, von einem anderen unterjocht und bedrückt, ist aufgestandenund hat seine Freiheit erkämpft. Dieser Tag ist ein Jubeltag für kommendeGeschlechter, aber er ist zugleich ein ernster Tag, denn mit ihm verbindet sichdas Andenken an die gefallenen Brüder, an ihn knüpft sich die Mahnung,wenn es sein muss auch einst wieder für die Freiheit einzustehen. Ein Hügelzeichnet die Stätte der gefallenen Brüder; am Festtage werden in feierlichemZuge Kränze und Dankopfer dargebracht, war Menschenalter hindurchdie schlichte Feier. Aber die errungene Freiheit hatte AVohlstand und Reichthumgebracht, aus einem kleinen unansehnlichen Staate war ein mächtiger geworden.Jetzt nahete der Tag, wo ein Jahrhundert vergangen, seitdem der Staat freiund unabhängig bestanden hatte. Ueberall regte sich im Volke der Wunsch,die Feier dieses Jahres besonders auszuzeichnen. Die alte Feier blieb, abersie wurde durch Waffenspiel und Wettkampf verherrlicht; die waffenfähigeJugend sollte zeigen solcher Freiheit werth zu sein. Ueber dem Denkmal war