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Allgemeine geographische Meteorologie : oder Versuch einer übersichtlichen Darlegung des Systems der Erd-Meteoration in ihrer klimatischen Bedeutung / von A. Mühry
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also fast mit jeder Woche um 2 Breitengrade von der südlichstenDeclination bis zur nördlichsten vorrückend und zurückgehend inden beiden Jahreshälften. Jedoch die Winkel, unter welchendie Sonnenstrahlen bei der jährlichen Fluctuation die Oberflächeder Erde treffen, werden wegen der Sphäroid - Gestalt der letzterenrasch abnehmend nach den Polen hin. Auf der Aequator-Liniewechselt der Einstrahlungs-Winkel von 90° bis 66° 32' (und zwei-mal im Jahre), auf den beiden Tropen-Kreisen von 90° bis 43°;auf dem 50 Breitenkreise von 63° bis 16°, auf den Polar - Kreisenvon 47 0 bis 0 °.

Es folgt aus dem Vorgetragenen, in welchem Masse im All-gemeinen die Unterschiede der Temperatur-Verhältnisse in denverschiedenen Zeiten des Jahres wachsen müssen mit der Entfer-nung vom Aequator , insofern sie bestimmt werden von der Lich-tung und von der Dauer der Sonnen-Einstrahlung. Innerhalb des10. Grades nördlicher und südlicher Breite sind sie kaum anders,als durch die Regenzeiten bemerklich (welche freilich, trotz des Zenitli-standes, einen niedrigeren Stand der Temperatur bringen, und zwarin solcher Nähe des Aequators zweimal ein tretend, abwechselnd mittrockenen, um etwas wärmeren Zeiten); ausserhalb dieser Grenzensind sie schon bedeutender, selbst schon auf der Tropen-Zone.

* Aber erst mit dem 30. Breitegrade stellen sich solche Verschieden-heiten der Temperatur zur Zeit der extremen Sonnenstände ein,dass dadurch die vier Jahreszeiten hervortreten. Man nennt dieDifferenz zwischen der Temperatur der extremen Monate die Am-plitude der jährlichen Fluctuation. Sie wird nach denPolen hin zunehmend aus drei Gründen, theils weil die geographi-sche Fluctuation des Sonnenstandes hier grössere jährliche Differen-zen der Einstrahlungs-Winkel bildet, theils weil auch die Dauerder Einstrahlung grössere jährliche Differenzen hat, und theils weilwenigstens auf der nördlichen Hemisphäre ein Ueberwiegen aus-gedehnten Continents eben auf den höheren Breitegraden besteht.Die Extreme der Wärme und der Kälte erscheinen nicht geradegleichzeitig mit der Culmination der Sonne, sondern die höchsteSteigerung beider erfolgt erst nach der Culmination, und zwar we-gen der Langsandveit der Fortleitung der Wärme im Erdboden undnoch mehr im Ocean. Die höchste Wärme tritt ein, in der Mehr-zahl der Klimate, im Juli, die tiefste Kälte im Januar. Im Meereverschiebt sich der höchste und der niedrigste Temperatur-Standnoch später, als auf dem Continent. In der That, was die meteo -