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Die vorweltliche Flora der Schweiz / Oswald Heer
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Wir haben das geologische Alter der Flyschbildung schon früher besprochen (p. 94) und sie in Ueberein-stimmung mit unsern Geologen') dem Eocen eingereiht. Mit den Kreideablagerungen unseres Landes tlieilt derFlysch keine einzige Art, wogegen der Lias allerdings eine Zahl nabe verwandter Formen besitzt, wie wir diessfrüher (p. 95) gezeigt haben. Die marine Flora des Nummulitenkalkes ist sehr wenig bekannt, doch finden wirdarin 2 Arten des Flysches, nämlich Halymenites tlexuosus und Cylindrites convolutus ,*) auch ist das Vor-kommen der Gattung Caulinites im Flysch des Cantons Freiburg sehr beacbtenswerth, da dieselbe im Grobkalkvon Paris eine grosse Rolle spielt, aus der Kreide aber gänzlich unbekannt ist. Die Anhänger, der Ansicht,dass der Flysch der Kreide angehöre, haben sich von jeher voraus auf den Sandstein des Kahlenberges bei Wien berufen. Es kommen in demselben an verschiedenen Stellen Fucoiden vor, von denen 9 Species mit solchenunseres Flysch übereinstimmen; es sind darunter der Cliondrites affinis, Oh. Targionii, Cb. intricatus, TamidiumFischeri und Münsteria Iliessii, welche als für den Flysch besonders bezeichnend zu betrachten sind. In demselbenWienersandstein fand man aber Inocerainen, welche zur Kreide gerechnet werden, und da man gegenwärtig nochden Thier Versteinerungen bei Bestimmung des Alters einer Formation einen grösseren Werth beilegt als denPflanzen, soll der Wienersandstein der Kreide eingereiht werden. Herr Bergrath Stuu schreibt mir darüber,dass neuerdings die Schale eines Inoceramus von 24 cm. Durchmesser auf einer Steinplatte des ächten Wiener-sandsteines gefunden worden; die Schale sei zerbrochen, die dazu gehörenden Stücke liegen aber in der Nähe,daher der Bruch erst an der jetzigen Lagerstätte stattgefunden haben könne. In dem Wienersandstein sei aberauch ein nicht bestimmbarer Ammonit und eine Plicatula gefunden worden. Daraus wird geschlossen, dassder Wienersandstein nicht eocen sein könne. Mit demselben Recht könnte man aber auch umgekehrt darausschliessen, dass die Inoceramen aus der Kreide ius Eocen hinaufreichen, da im Wienersandstein bei denselbeneocene Pflanzen liegen. Es scheint mir aber noch eine andere Lösung des Räthsels möglich zu sein. Ich besuchteim Frühling 1851 das berühmte Schneckenlager von Canigal auf Madeira . Auf einer schmalen Landzunge liegendie wohl erhaltenen Schneckenschalen zu Millionen in einem weichen Sande. Durch den Regen waren sie massenhaftausgeschwemmt, so dass man ganze Wagenladungen hätte wegnehmen können. Durch die dem nahen Meerezugehenden Wasserrinnen werden diese Schalen fortwährend demselben zugeführt und werden ohne Zweifel mit denSchalenresten der jetzt in demselben lebenden Thiere in den Schlamm des Meeres eingebettet. Auf der Nordseiteder Halbinsel stürzen fortwährend einzelne Partien ins Meer, so dass wohl in nicht ferner Zeit die ganze Halbinselmit ihren unzähligen Schneckenschalen dem Meere verfallen wird. Man hat bis jetzt 36 Arten solcher fossilenSchnecken in Cauit-al gesammelt, von welchen auch die zartschaligen Arten, so die zierliche Helix Delphinulaund II. tiarella vortrefflich erhalten sind und zu hunderten nahe am Strande lose daliegen. Kann nun nicht zurEocenzeit ein ähnlicher Vorgang in der Gegend von Wien stattgefunden haben? Können nicht die Inoceramenin dem damals noch weichen Sande der Kreidezeit gelegen und aus diesem herausgewaschen worden sein, ohnezu zerbrechen, wie die fossilen Schnecken von Canicyal? Ich glaube Niemand, der diesen Vorgang in Canitpügesellen hat, wird diess läugnen können, daher ich dem Wienersandstein-Inoceramus keine so grosse Beweiskraftzumessen kann. Aehnlich mag es sich mit den Inoceramen verhalten, welche man in Nordamerika in tertiärenAblagerungen gefunden hat und die auch dort dieselbe Verwirrung erzeugt haben.

Da nach dem übereinstimmenden Urtheil unserer Geologen die fucoidenfübrende Flyschbildung nach denLagerungsverhältnissen jünger ist als der Nummulitenkalk, muss sie als Obereocen bezeichnet werden. ProfessorReneviek bringt sie in das unterste Tongrien, Dr. Iv. Mayek aber hat aus ihr eine besondere Stufe gebildet,

) Vgl. Studeb, Geologie der Schweiz . II. p. 110 u. f. Escheb von deb Lintii, in meiner Biographie desselben, p. 181. 182.189. 198. A. Favre, recherches geologiques dans les parties de la Savoie, du Piemont et de hi Suisse, voisines du Mont-Blanc . III.p. 500 u. f. Kaufmann, Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz . XI. 1872. p. 119. 120. 100. Gilliüuon, Materiaux pour la cartegäol. XII. 1873. p. 133. Renevieb, notice sur la carte geol. Archive» des sc. phys. et natur. 1877. p. 35.

,l ) Aus Italien erhielt ich den Chondrites intricatus und Oh. Targionii aus einem Nummulitenlager von S. Anna bei Pistoja undden Chondrites patulus F.-O. aus dem Obereocen von Tresignano bei Reggio ( Modena). I»er Macigno von Toscana enthält bekanntlichden Chondrites Targionii und intricatus in Menge; in den Kreideablagerungen Toscanas kommen auch Fucoiden vor; diese sind aberbislang noch nicht mit der nüthigen Sorgfalt untersucht worden.