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Kleines Lese- und Lehrbuch der schweizerischen Volkswirtschaft / für den Schul- und Selbstunterricht verfasst von A. Furrer
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grösser als die Einfuhr, so spricht man von «Ueberbilanz»oder «Aktivbilanz».

Leute, welche von den wirtschaftlichen Verhältnissenkeine klare Vorstellung haben, behaupten allzuleicht, dieUntevbilauzen seien ein Zeichen des ökonomischen Rück-schrittes des Volkes, denn dieses sei Schuldner des Auslandesgeworden und es habe um so viel, als der Betrag der Unter-bilanz ausmache, an seinem Vermögen eingebüsst.

Diese Theorie ist mit Vorsicht aufzunehmen. Eine Unter-bilanz kann eben so gut der Ausdruck gesteigerter als auchein Zeugnis verminderter Wohlfahrt sein. Um aber zuwissen, ob in einem bestimmten Jahre dies oder jenes zutrifft,muss man die Erwerbsverhältnisse des betreffenden Jahresund des Vorjahres in ihrer Gesamtheit kennen.

Nehmen wir an, die Schweiz werde in einem gewissen Jahrevon 50,000 Fremden mehr besucht als im Vorjahre, so kann derdaherige Mehrverbrauch an Nahrungsmitteln sowie an Gebrauchs-artikeln aller Art ganz leicht eine Unterbilanz gegenüber demVorjahre zur Folge haben. Es wäre aber widersinnig, in diesemFalle eine Verminderung der Wohlfahrt anzunehmen.

Oder

gegen das Ende des Jahres fallen im Auslande die Preise ge-wisser Rohstoffe und die Industriellen des Inlandes verproviantirensich damit in dem Maasse, dass die Unterbilanz diejenige desVorjahres übersteigt, so wird auch in diesem Falle die grössereUnterbilanz wiederum nicht der Ausdruck verschlimmerter Ver-hältnisse sein.

Ist aber

das Jahr sehr unfruchtbar gewesen, so dass vielleicht der Bauerselbst Feldfrüchte zu kaufen und der Industrielle wenig zu arbeitenhatte, so wird die Handelsbilanz allerdings kaum eine Vermehrungder Volkswohlfahrt anzuzeigen im Stande sein.

Die « Handelsbilanz» ist also nie zu verwechseln mit« Zahlungsbilanz » * und « Wirtschaftsbilanz » **, denn ab-

* Differenz zwischen den Zahlungen, welche die Schweiz an dasAusland zu leisten und von diesem zu empfangen hat.

** Differenz zwischen den Jahreseinkünften und den Jahresaus-gaben des Volkes.