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Kleines Lese- und Lehrbuch der schweizerischen Volkswirtschaft / für den Schul- und Selbstunterricht verfasst von A. Furrer
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Gemeindebewohner unter einander erleichtern oder die Arbeitder Einwohner fruchtbringender gestalten.

Beispiele: Eine Gemeindebehörde erhebt von den BürgernSteuern und lässt von einem Weiler zum andern einen Weganlegen, oder sie lässt einen Bach eindämmen, einen Sumpfentwässern u. s. w.

Eine andere Gemeindebehörde kauft im Aufträge der Bürger-versammlung und aus den von dieser bewilligten Steuern einenWald, der fortan Gemeinde-Eigentum (Gemeindewald) ist undaus welchem jeder Bürger nach Maßgabe der von ihm ent-richteten Steuer jährlich einen Anteil am Waldnutzen beziehen soll.

In einer dritten Gemeinde wünschen die Handwerker ein ge-meinsames Lokal zu mieten, um in diesem ihre Erzeugnisse zumVerkauf ausstellen zu können. Die Gemeindebehörde erkennt,dass die Handwerker eine etwas schwierige Zeit durchzumachenhaben und überlässt ihnen unter Zustimmung der Bürgerver-sammlung ein Lokal gratis.

Jüngst hat die Stadtgemeinde Luzern einen Geldbeitrag von15,000 Fr. an die Gründungskosten einer vom Schweizerischen landwirtschaftlichen Verein projektirten Gemüse- und Obstkon-servenfabrik versprochen, wenn diese in Luzern erstellt werde.

Die Stadtgemeinde Lausanne votirte 1 Million Fr. für denBau der Simplonbahn.

Die Einwohnergemeinde Bern beschloss die Errichtung vonLehrwerkstätten für Schuhmacher und Schreiner . Zur Bestreitungder bezüglichen Kosten nahm die Gemeinde 8000 Fr. in ihr Aus-gabenbudget auf.

Solche Handlungen fördern die Enverbstätigkeit derBürger und sind daher im besten Sinne des Wortes «wirt-schaftlich».

Dem im letzten Beispiel ausgesprochenen Prinzip (För-derung der gewerblichen Bildung) gehört die Zukunft. Schonjetzt werden ihm grosse Opfer gebracht, denn im Jahre 1887verausgabten 84 Gemeinden aus eigenen Mitteln und aus Sub-ventionen der Kantone und des Bundes zirka 800,000 Fr. fürdas gewerbliche Bildungswesen. Die einen Gemeinden haben ihreFachschulen, die anderen ihre Zeichnungsschulen u. s. w. Alle dieseInstitutionen habenihre gute Wirkung und gleichen dem Samen-korn, das dreissig-, sechzig- und hundertfältige Früchte trägt.