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Kleines Lese- und Lehrbuch der schweizerischen Volkswirtschaft / für den Schul- und Selbstunterricht verfasst von A. Furrer
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Umuässigkeit entstehen. Wie aber ein durch Unmässigkeitkrank gewordener Mann sich nicht darauf beschränkt , sichnur durch Massigkeit wieder zu heilen, sondern auch ärztlicheMittel gebraucht, so begnügen sich in der Regel die Produ-zenten von Gütern ebenfalls nicht damit, die Geschäftsstockungnur durch Massigkeit in der Produktion zu beseitigen. Siegeben sich vielmehr Mühe, und mit ihnen der Handelsstand,neue Konsumtionsgebiete zu finden. Geschäftsreisen nach denverschiedensten Richtungen werden unternommen (bisweilensogar mit Unterstützung der Behörden), unzivilisirte Völker-stämine werden aufgesucht, ihre Bedürfnisse und Hülfsmittelwerden erforscht, ihre Kauflust wird durch Vorführung bunterSachen gereizt u. s. w., bis sich allmälig ein regelmässigerHandel entspinnt.

Beispiele: 1) ln den Jahren 1862/64 liehen die schweizerischenBundesbehörden ihre Unterstützung einem Unternehmen, welchesbezweckte, Japan dem schweizerischen Handel zugänglicher zumachen. Bis zu jener Zeit durfte weder ein Schweizer sich inJapan aufhalten, noch daselbst ein Geschäft eröffnen; kleinereMengen schweizerischer Industrieprodukte konnten nur durchVermittlung holländischer Firmen nach Japan abgesetzt werden.Andere Staaten dagegen hatten Verträge mit Japan , die ihnendas Recht gaben, in Japan Handelsniederlassungen zu gründenDie Schweizer wollten dieses Recht ebenfalls erwerben. Es gelangdem Bundesrat, die Zustimmung der japanischen Regierung zumAbschluss eines Vertrages obiger Art (Niederlassungs- und Handels-vertrag) zu erhalten, und es wurden nun mehrere angeseheneMänner abgeordnet, welche viele Kisten und Ballen voll Warenmitzunehmen hatten, um diese in Yokohama zur öffentlichenBesichtigung auszustellen und sie nachher an die Staatswürden-träger als Geschenke zu verteilen. Von nah und fern strömtendie Japanesen herbei, um in Yokohama die schönen SchweizerUhren, Stickereien, Bijouterien, Seidengewebe, Baumwollgewebe,Strohflechtereien etc. etc. zu besichtigen. Der Zweck des Unter-nehmens wurde auch erreicht, denn Japan ist ein schätzenswertesKonsumtionsgebiet schweizerischer Erzeugnisse geworden.

Unternehmungen dieser Art werden ,Haudelsexpeditionengenannt.