Einleitung*)
1. Die Philosophie bei den Römern.
Unter allen Zweigen der Litteratur fand die Philosophie in Rom am Spätesten Eingang, und nie gelang es ihr auf Latium's Bodentiefere Wurzeln zu schlagen. Das Römische Volk, von der Gründungseines Staates an fortwährend mit Kriegen beschäftigt und von demStreben durchdrungen seinen Staat nach Außen hin durch Eroberungenzu vergrößern und im Inneren durch eine geregelte Verfassung zu be-festigen nahm durchweg einen praktischen Charakter an, der die mitseinem Leben und seinen Staatseinrichtungen in enger Verbindungstehenden Wissenschaften, wie die Rechtskunde, die Staatskunst, dieBeredsamkeit, die Geschichte, mit Liebe und Eifer umfaßte, den übri-gen dagegen, namentlich der Philosophie, abhold war. Das Strebenals Krieger, als Staatsmann und Redner zu glänzen erfüllte dasganze Wesen der Römer und eröffnete ihnen den sichersten Weg zugroßer Macht und großem Ansehen im Staate. Erst als die Römermit den Griechen in nähere Berührung traten, erwachte bei ihnen einlebhafteres Interesse für Kunst und Wissenschaft; aber für das Stu-dium der Philosophie zeigte sich auch damals noch wenig Sinn. Die
Eine ausführliche Behandlung der hier kurz erörterten Gegenstände findetsich in meiner Göttinger Preisschrift: Marci luliii Mc-ionis in Mlvsvxlnnme)u8lzue Partes merita. eommentrttio re^io praemio ornata. ttamkurßi »uwx-tlbu« k'rlöerioi kertkes. 1825.
Cicero, Tuseulanen. 1