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Cicero's Tusculanen / übersetzt und erklärt von Dr. Raphael Kühner
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Einleitung.

und wennauch Römer sich unterfingen über philosophische Gegenständezu schreiben, so bedienten sie sich doch hierzu gemeiniglich der Griechi-schen Sprache, da ihre Muttersprache sür die Philosophie zu wenigausgebildet war. Allerdings versuchten einige Epikureer, wie Ama-finius, Rabirius und Andere, die Epikureische Lehre in LateinischerSprache vorzutragen; doch nach dem Urtheile Cicero's entbehrten ihreSchriften alles Schmuckes der Rede und aller Feinheit der Dialektik.Eine rühmliche Ausnahme machte Titus Lucretius Carus , der ineinem geschmackvollen Gedichte über das Wesen der Dinge des Epi-kurus System darlegte. So stand es um das Studium der Philo-sophie, als Marcus Tullius Cicero , von brennender Vaterlands-liebe erfüllt, den Entschluß faßte, sowie er in seinen jüngeren Jahrenals Staatsmann mit aller Kraftanstrengung sür das Wohl und Ge-deihen seines Vaterlandes gearbeitet hatte, so in seinem höheren Alter,da er nach Unterdrückung der Freiheit im öffentlichen Leben seinenMitbürgern nichts mehr nützen konnte und seine Muße nicht nutzloszubringen wollte, die Griechische Philosophie aus Latium's Boden zuverpflanzen und sie in dem schönen Gewände seiner Sprache seinenLandsleuten näher zu führen und annehmlicher zu machen.

Obgleich Cicero's Streben von Jugend auf darauf gerichtet war,als Staatsmann und Redner eine glänzende Rolle zu spielen, so ließihn doch seine unersättliche Wißbegierde in seiner geistigen Ausbildungnicht den Weg einschlagen, den die meisten jungen Römer, die sichdem Staatsleben widmen wollten, zu betreten pflegten, sondern ersuchte das ganze Gebiet der Wissenschaft zu umfassen. Daher begnügteer sich nicht mit dem Studium der Staatswisscnschaften und der Be-redsamkeit, sondern versuchte seinen Geist auch vielfach auf dem Gebieteder Poesie und legte sich mit allem Eifer auf eine gründliche Erlernungder Philosophie. Sein erster Lehrer in der Philosophie war der Epi-kureer Phädrus . In seinem neunzehnten Lebensjahre wurde er mitPhilo, einem Anhänger der neueren Akademie, bekannt. Von derinnigsten Liebe zur Philosophie erfüllt, widmete er sich mit ganzerSeele dem Unterrichte dieses geistreichen Philosophen, der ihn beson-ders sür das Studium der neueren Akademie gewonnen zu habenscheint. In die Stoische Philosophie wurde er durch den StoikerDiodotus, der in seinem Hause wohnte und starb, eingeweiht. Der-