Einleilung-
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sterben. Aus dem Wege nach seinem Landgute fiel er in die Hände derTrabanten des Antonius, die ausgeschickt waren, um ihn zu ermor-den, und erleidet mit männlicher Standhastigkeit von ihnen den Todes-streich (am 7. December des Jahres 43 vor Chr. in seinem vierund-sechzigsten Lebensjahre).
Wenn wir das Leben Cicero's und seine geistigen Bestrebungenprüfend überblicken, so muß man bekennen, daß er einer der begabte-sten, edelsten und erhabensten Menschen war, die Rom je erzeugt hat.Aber je mehr wir seine sittliche und geistige Größe bewundern müssen,mit um so größerer Wehmuth werden wir erfüllt, wenn wir sehen, daßdieser große Mann an kleinlichen Fehlern litt, die auf seine hervor-ragenden Eigenschaften und Tugenden einen nachteiligen Schattenwerfen. Die hauptsächlichste Quelle hiervon scheint eine große Weich-heit des Gemüthes gewesen zu sein. Mangel an Charakterfestigkeit,Erhebung im Glücke und Kieinmuth im Unglücke und ganz besonderseine nnbegränzte Eitelkeit und Ruhmsucht: das find die Fehler, dieuns in seinem Leben, wie in seinen Schriften oft entgegentreten undselbst den leidenschaftlichsten Verehrer Cicero's unangenehm berühren.Aber die höchste Bewunderung verdient seine große und reine Liebezum Vaterlande und zur Freiheit, sein unermüdliches Streben für dasWohl des Staates und seiner Mitbürger zu sorgen, seine unerschütter-liche Rechtlichkeit und Uneigennützigkeit, sein offener Sinn für allesGroße, Schöne, Gute und Erhabene, sein menschenfreundlicher undliebenswürdiger Charakter, seine treue und aufrichtige Hingebung andie Seinigen und seine Freunde. Seine geistige Begabung ist wahr-haft großartig zn nennen. Scharfsinniger und durchdringender Ver-stand, reiche und lebhafte Einbildungskraft, große Gedankenfülle,gesundes Urtheil, seiner Geschmack und Schönheitssinn, treffenderWitz sind Eigenschaften, die seinen Schriften das Gepräge wahrerVollendung verleihen.
Was seine Leistungen in der Philosophie betrifft, so können wirihm zwar nicht Scharfsinn und Richtigkeit des Urtheiles absprechen;aber die Tiefe des Geistes, welche selbständige Forschungen auf demGebiete der Philosophie nothwendig erheischen, wird vermißt. Daherbeschränkt sich seine Thätigkeit in der Philosophie auf Reproduktionund freie Verarbeitung dessen, was er in den Schriften der Griechischen