gegangenen Bernsteinwaldes, der seit vielen Jahren die Geologen zu den ver-schiedensten Hypothesen herausgefordert hat. Nachrem der Vortragende ange-führt hatte, daß diese Grünsandbildung oder Glaukonit-Formation bis jetzt aufeiner Fläche von gpr. vier Ouadratmeilen an der Nord- und Westküste desSamlandes nachgewiesen ist, daß das Terrain, in welchem sie möglicherweisevorhanden ist, durch die Vorkommen älterer Jura- und Kreideschichten beiColberg und Bralin in Hinterpommern, bei Dirschau und Thorn in West-preußen und durch die Kreidebilvungen in Curland begrenzt wird, wandte ersich zu den verschiedenen G.winnungsarten des Bernsteins durch Schöpfen amStrante, Stechen auf Booten in der See, Baggern und Gräberei in denStrandbergen. Die enormen Erträge, welche zeitweise einzelnen Schöpssträn-den bei günstigen Windrichtungen zufallen, die eigenthümlichen Manipulatio-nen und Geräthschaften, welche beim Stcchereibetriebe in Anwendung kommen,und die großartigen Baggerei-Unternehmungen im curischcn Haff, bei welchendie Firma Becker und Stantien in Memel zur Zeit mit 12 Dampfbaggernund 3 Handbaggern jährlich 70,000 Psd. Bernstein gewinnt, boten Gelegen-heit zu interessanten und fesselnden Mittheilungen. Demnächst ging der Vor-tragende, welcher im Auftrage der königlichen Staatsregierung die Frageuntersucht hatte, ob eine bergmännische, unterirdische, Gewinnung des Bern-steins im Samlande ausführbar und zweckmäßig sei, näher auf den Gräberei-betrieb in den Strandbergen ein, beschrieb das Verfahren und hob hervor,daß der Bernsteingehalt der eigentlich bernsteinreichsn Schicht, der blauen Erde,zwischen und '/, Pfund pro Kubitsuß schwankt, so daß man einen mitt-leren Gehalt von l Pfund Bernstein in 12 Kubikfuß der blauen Erde anneh-men könne. Die ganze Production des Samlandes ist auf ungefähr 20(',M0Pfund pro Jahr zu schätzen, wovon 100,000 Pfund aus das Schöpsen undStechen, 30,000 Pfund auf den Gräbereibetrieb in den Strandbergen desSamlandes und 7«.,000 Pfund auf die Baggerei fallen.
Der Werth des Bernsteins ist außerordentlich verschieden und schwanktzwischen 3 Sgr. und mehreren IM Thlr. Pro Pfund; da der Werth des ein-zelnen Stückes durch Farbe, Größe und Form desselben bestimmt wird. —Nur ein Vcrhällnißmäßig sehr kleiner Theil des Bernsteins eignet sich zur Her-stellung von Cigarrensp-tzen und Brochen, den Livorneser Olivenperlen undsonstigen Luxus- oder Kunstgegenständen; der bei Weitem größte Theil, ganzgl-ichgiltig ob klar und durchsichtig oder undurchsichtig, wird zu Peilen, soge-nannten Corallen, d. h. nur roh bea beiteten rundlichen, aber durchbohrten undauf Schnüre aufgereihten Stücken von der verschiedcnsten Größe verarbeitet,die bei den wenig cultivirten Völkerschaften, den Negeistämmen Afrika's, denEingeborenen der Südseeinseln und den Bewohnern Ostasiens willige Abnahmefinden und häufig als Tauschmittel gegen Naturproducte jener Gegendenaußerordentlich hoch verwerthet werden. — Man kann auf diese Corallen«Production wenigstens 50 pCt> des ganzen gewonnenen Quantums rechnen;das Absatzgebiet für die Hauptmaste des Bernsteins ist daher ein sehr ausge-dehntes und der Absatz erscheint als ein sehr sicherer, da der Bernstein seitHerodor's Zeiten sich im Geschmacke jener Völkerstämms erhalten hat.