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Parmenides Lehrgedicht : Griechisch & Deutsch ; mit einem Anhang über griechische Thüren und Schlösser / von Hermann Diels
Entstehung
Seite
7
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nun setzte er sich mit Platon über das Wesen der Dichtkunst und dieauf dem Grenzrain zwischen Poesie und Prosa liegenden Gebiete ausein-ander. Besondere Rücksicht scheint er dabei, wie natürlich, auf diephilosophische Poesie (Lehrgedicht, Sokratischer Dialog) genommen zuhaben. Und hierbei hat er nachweislich wieder mit Empedokles exem-plificirt und Vorzüge und Schwächen dieser Dichtungsgattung an seinerPoesie ausführlich abgewogen (fr. 70 ff. Rose 1886). Er lobte seineHomerische Imitation und poetische Phrasirung bereitwillig, um dannum so schärfer auf die Mängel des Didaktikers hinzuweisen und an ihm,dem offenbar begabtesten Dichterphilosophen, die Zwitterhaftigkeit derganzen Gattung darzuthun. Aber die Sache hat auch eine Kehrseite,die in jenem Dialoge offenbar auch verhandelt wurde. Wenn Empe-dokles kein Dichter, so ist Homer umgekehrt kein Philosoph. Damit istsowohl der allegorischen Verdrehung des Antisthenes wie der rigorosenVerwerfung der Platonischen Republik der Boden entzogen. Aristoteles hochbedeutende Ansicht, die uns freilich heute fast trivial erscheint, hatin der alexandrinischen Epoche nur auf wenige hervorragende GeisterEinfluss ausgeübt. Auch die Römer haben der peripatetischen Theorie,von der sie gehört (Cic. Orator 20,67; lloraz S. I 4,39. A. P. 409), prak-tisch keine Folge gegeben. Ihre Poeten haben vielmehr von Ennius an das utile cum dulci als die Aufgabe der Poesie betrachtet, so dasseiner ihrer wirklichen Dichter sein Talent in einem philosophischenStoffe vergeudete. Bei uns hat L essing , der die aristotelische Poetikwieder lebendig gemacht hat, die Gottsched sche Anschauung von Poesievernichtet und zugleich die Didaktik, die zu seiner Zeit noch blühte,zum Absterben gebracht. Seitdem er einer Preisaufgabe der BerlinerAkademie die höhnende FragePope ein Metaphysiker? entgegengestelltund die Grenzlinie zwischen Dichten und Denken regulirt hat, ist dasphilosophische Epos tot. Um so merkwürdiger ist bei uns diese an-haltende Begeisterung für Parmenides. Dass seine Verse oft holprig,seine Prosodie ungewöhnlich, der dichterische Ausdruck nicht seltenungeschickt und streckenweit lediglich Prosa der dürrsten Art ist, dassdie paar poetischen Metaphern durch Wiederholung zu Tode gehetztwerden, dass die Personification conventionell und unlebendig ist, werwill das leugnen? Ist es doch einem Verse begegnet geradezu als Prosabetrachtet und ausgeworfen zu werden. Aber das alles tritt in denSchatten vor der gewaltigen Conception des Proömiums. Die grandioseHimmelfahrt, mit der unser Dichter sich und uns in den Aether der