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| reinen Vernunft erhebt, hat ihre Wirkung nie verfehlt. Jm Beginnefinden wir das Gespann bereits in vollem Lauf. Sonnenjungfrauen lenkendie feurigen Bosse. Schneller und schneller streben sie die Bahn empor.Endlich halten sie vor dem Thor, das Nacht und Licht scheidet. Dike,die Thürhüterin, schliesst auf. So fahren sie in den Palast der Göttin,die den Dichter huldreich empfängt und die ihm die Offenbarung gibt,deren Mitteilung den Inhalt des Gedichtes ausmacht. Dieser Wurf verrätkühne Linienführung, aber die Ausführung ist der dichterischen An-schaulichkeit bar. Der Anfang ist, obgleich uns hier gewiss nichts ver-loren gegangen, abrupt. Wir vermissen jede Andeutung, dass der Dichter(noch im Dunkel der Erde fährt. Das erschlossen wir mühsam aus demSpäteren. Wir hören von einem D ämon . Gott oder Göttin bleibtunentschieden. Dass es eine Göttin ist, dürfen wir wiederum erst ausdem Weiteren unsicher erraten. Kein Symbol, kein Beiwort verrät dieNatur dieses Dämons. Ebensowenig wird uns der Weg zur Göttin an-schaulich geschildert. Wir hören nicht einmal, ob es hinab oder hinaufgeht. Und doch sind dem Dichter die Anforderungen des epischen Stilsnicht unbekannt. Denn das Knirschen der glühenden AVagenachse unddie Tischlerarbeit des himmlischen Thores, das mit den neuesten Ver-|besserungen der Technik (Drehpfosten mit Dorn, Schloss mit Fallstift)ausgestattet ist, wird mit einer banausischen Peinlichkeit geschildert, diezu der Wichtigkeit der Gegenstände in keinem rechten Verhältnis steht.Allein man sieht doch aus dieseu Proben, der Dichter könnte etwasfarbiger und plastischer gestalten, wenn er nur wollte. Warum also willer nicht? AA 7 arum huschen die vornehmsten Personen seiner Allegoriewie in Ossian ’schen Nebel gehüllt vorüber, so dass sie des Hörers Ohrnicht festhält, sein Auge keine feste Vorstellung fasst, und alte wie neueErklärer starke Verwirrung angerichtet haben? Ist es etwa der Visions-stil, der die grellen Farben nicht verträgt, der die gemeine Deutlichkeitder Dinge hasst? Die Alten kennen diesen Stil, wie Stesichoros und dieTragiker zeigen. Aber wenn Parmenides das wollte, so musste der
deckende Schleier über die ganze Scene gleichmässig gebreitet werden.Jetzt tritt das Gleichgiltige, Weltliche scharf bis ins Kleine hinein be-leuchtet hervor: das Ueberweltliche, AVcsentliche, Wirkliche huscht imfahlen Dämmer gespensterhaft vorbei. Wenn ich nicht irre, hängt dieFarblosigkeit des Gemäldes wenigstens teilweile mit der philosophischen| Tendenz seines Systems zusammen. Bei X enophane s. der mit Recht alssein Vorgänger im Dichten und Denken betrachtet wird, ist Gottheit und