| im sechsten Jahrhundert eine ganze Reihe von Parallelströmungen an-" genommen werden, die in der religiös - philosophischen Tendenz mehroder weniger eng sich mit jener berühren. Die Keime dieser Mystiksind viel älter, sie reichen in die Uranfänge der Nation und schlummernunter der Decke auch des heroischen Epos, in dem sie um so deutlicherhervortreten, je jünger die Schichten sind; ganz unverkennbar treten siein der Bauernepik ilesiods hervor und um die Mitte des 0. Jahrh. hatder Pessimismus dieser Reformation sogar Eingang in den Rationalismusder ionischen Philosophie gefunden. Wieder eine Generation später dringtdie neue Lehre in die Colonien des Westens und durchsetzt die dortweiter entwickelte ionische Wissenschaft völlig. P ythagoras ist nureiner der vielen Propheten, welche damals Siindenfall und Sündenver-gebung, Wanderung und Unsterblichkeit der Seele neben Kosmologieund Anthropologie in mehr oder minder geschlossenen Conventikelnlehrten. Noch grösser muss natürlich die Zahl der minder wissenschaft-lichen Reformer, Propheten und Katharten gewesen sein. Diese ganzeplötzlich hochaufwallende r eligiöse Bewegung, die wie eine Influenz denOsten und Wesen gleichzeitig ergreift und deren Apostel hin und hereilen, um Unteritalien und Athen . die beiden Centren der Reformationin beständiger Verbindung zu erhalten, hat den kühnen Gedanken zuverwirklichen gesucht, vermittelst der Mysterienorganisation, die freilichan sich älter ist, aber damals mit der Erneuerung des ganzen religiösenDenkens sich wunderbar kräftigte und ausdehnte, zunächst grosse Ordenund schliesslich Kirchen in unserm Sinne zu gründen. Das Wagnis istmislungen aus verschiednen Gründen, hauptsächlich weil das Aufklärerturnder Sophistik dazwischen trat und die Mystik vernichtete, sodann weildies Prophetentum seine Macht in den Dienst der unterliegenden poli-tischen Partei gestellt hatte. Die Aristokratie Grossgriechenlands wurdeim fünften, die Tyrannis in Athen , mit der die Leute um Onomakritosfielen, schon früher weggefegt. Die Demokratie konnte mit dem nur aufautoritativer Basis denkbaren Kirchentum nicht pactiren. Aber geistighat die Reformation weiter gewirkt, zunächst auf die grossen Dichterdes fünften Jahrhunderts, dann auf die grossen Philosophen des vierten.L : nd Plato hat sogar versucht, den Gedanken des Kirchenstaates durchVerschmelzung des orphisch-pythagoreischen Wesens mit der sokratischenWissenschaft und zwar wiederum durch Anlehnung an die westlicheAristokratie (Archytas ) und Tyrannis (Dionvsios) durchzuführen. Auchdies ist wieder gescheitert, aber der Samen dieser geistigen Bewegung
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Buch
Parmenides Lehrgedicht : Griechisch & Deutsch ; mit einem Anhang über griechische Thüren und Schlösser / von Hermann Diels
Seite
12
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