vom 6. bis 4. Jahrhundert ist nicht verloren, sondern zum wichtigstenFermente der christlichen Kirche geworden. Leider ist von den Persön-lichkeiten, welche diese Reform angebalmt und verbreitet haben, wenig be-kannt. Selbst hervorragende Männer, deren Wirkung wir aus den Stimmender Zeitgenossen und vor allem aus dem Nachhall der Folgezeit ermessen,(wie Pythagoras , sind für uns historisch fast unfassbar. Noch wenigerdie älteren, wie jene hochbegabten Leiter des delphischen Orakels, dasvom 8. bis 6. Jahrh. den allerwichtigsten Einlluss auf Religion und Sitte,politische und sociale Verhältnisse Griechenlands und der Nachbarländerausgeübt hat, ein Einfluss, der teilweise wenigstens mit den Reform-1 ideen der Mystiker sich berührt. Die Thaten, die uns sonst von gott-begeisterten Propheten und Wunderthätern jener Epoche überliefertwerden, sind meistens durch drei bis vier Schichten umbildenderDichtung gegangen. Wir haben da zuerst die unmittelbar an dasWirken der Gottesmänner anknüpfende na ive Legen de, dann die umdie Wende des 6. Jahrh. erfolgende dichterische, oft tendenziös gefärbteFassung, etwas später um die Mitte des nächsten Jahrh. die ionischeProsa-Novelle und endlich im vierten den ionischen populär-philo-sophischen Roman.
Trotz dieser vielfachen Verarbeitung sind einige dieser merkwürdigenPr ophetengestalte n in neuerer Zeit doch etwas deutlicher für uns ausdem mystischen Zwielicht hervorgetreten. So erscheint E pimenides, vondem u. A. Theopomp in seiner Galerie der Wundermänner berichtete,historisch betrachtet als berühmter Katharte um die Wende des 7. Jahr-hunderts. Hundert Jahre später gibt es unter seinem Namen eine Reihevon Dichtungen: Orakel, Katharmen, Theologien, die höchst wahrschein-lich Onomakritos unter Benutzung von volkstümlichen Erzählungen undälteren Vorlagen zu höchst profanen Zwecken zusainmengestellt hatte(Sitzungsb. d. Berl. Ak. 1891, 393. Maass Aratea 343). In diesenEpimenidea erscheint wie in der orphischen Rhapsodie, die ebenfalls mitF’ug auf Onomakritos’ Kreis zurückgeführt wird, der Name des Musaios(Kern de Orphei etc. theogoniis 75 Buresch Klaros 117,4 vgl. die vielspäteren Orphica Krateres, Ephemerides, Argonautica). Da nun dieGedichte, die von Musaios umliefen, sicher nach der Mitte des 6. Jahrh.verfasst sind, da sie die Telegonie und Melampodie wörtlich ausschreiben(während Klemens Strom. VI *25. 26 p. 751 P. die Sache selbstverständlichumdreht), so liegt wol der bekannte Fälscherkniff vor, diese Truglitteraturdurch gegenseitige Beziehung inniger unter einander zu verketten und