Buch 
Parmenides Lehrgedicht : Griechisch & Deutsch ; mit einem Anhang über griechische Thüren und Schlösser / von Hermann Diels
Entstehung
Seite
15
JPEG-Download
 

15

dem Jenseits citirten Geister der Vorfahren von dem Zauberer Besitzergreifen 1 , wodurch er befähigt wird der Welt entrückt und entweder indem Himmel oder die Hölle versetzt zu werden. 2 Bei den Geistern undGöttern dieser Reiche holt er sich dann die Offenbarung der Hinge,welche die Menschen von ihm zu wissen wünschen. (S. die klassischeSchilderung bei Radloff Aus Sibirien II 3ff.)

Als ein solcher Schamane erscheint z. B. Aithalides, der von Hermes dieGabe erhielt, dass seine Seele über wie unter der Erde verkehren konnte,von dem Pherekydes a. E. des 6. Jahrh. zuerst berichtet hatte (fr. 9Kern S. 89). Als Schamane erscheint auch der Epimenides der Kaffocppw.Er erinnert zunächst daran, dass der Geist des Aiakos (Sitzungsber. a. 0.396') in ihn gefahren sei, dann fühlt er sich durch diese Kraft gestärktzum Himmel emporgetragen, wie auch in einem von demselben Verfassergedichteten Werke Musaios , der Sohn der Mondes, durch die Luft flog.(Paus. 122,7). Unter den Göttern nun, welche der dürftige Berichtdarüber aufgezählt, erscheint neben den HauptgottheitenAXij&st« undAixTj. Ist es nun nicht klar, dass die freilich stark abgeblasste Rolle,welcheAk^ösia und Atxr, in der Poesie des Parmenides spielen, einXachklang dieser Epimenideslitteratur ist? Ja die ganze Conceptiondieser Himmelfahrt gewinnt ihre volle Gegenständlichkeit und Bedeutungerst dann, wenn man sie im »Spiegel dieser apokalyptischen Litteratur

1 Danach ist die bei H erakleides erscheinende und von diesem wohl nach altenMustern zusammengestellte Krrdßstsi; tii jtiäou des Pythagora s zu beurtheilen, in derdieser seine Ahnen bis zum Trojanischen Krieg zurückverfolgt. Rohde hat seltsamer

Weise den animistischen Zusammenhang, dem er sonst gern nacbgeht, hier nicht

gesehen und darum sogar weniger richtig wie früher über diese Metempsychosen ge-urtheilt (Psyche 454. 461). Ich halte an meiner Auffassung (Archiv f. G. d. Ph. 3,469) fest.Dass die Schrift so wie sie dem Alterthum vorlag ( Hieronymos nennt sie zuerst nach Ilera-kleides) nicht ins 6. Jahrh. reichen kann, beweist wol, dass darin die eschatologischenIdeen der Mystik mit denen des Rationalismus (Strafe des Homer und Mesiod) zu-sammengespannt sind. Pythagoras und Xenophanes sind Feinde. Die Verbindungihrer Ideen scheint auf den Platonismus des Verf. hinzudeuten, der die entsprechendeDoppel - Tendenz der Republik unter Benutzung alter Vorbilder zu der erbaulichen

Vision des Pythagoras ausgearbeitet hat. So verfährt Herakleides auch sonst, waswegen Ettigs (Acheruntica 290) und Dieterichs (Nekyia 129 3 * 5 ) Zweifel beiläufig be-merkt sein mag. Der letzte Ausläufer des Seelenwanderungsmotives ist das zunächstdurch Kallimacbos (Aitia Prooem.) angeregte Proömium der Annalen des Ennius .

5 Die Ahnengeist er spielen also, wie in der antiken Religion die Dämonen undGenien, in der christlichen die Heiligen, die Stelle von Vermittlern zwischen denGöttern und Menschen.