Erster Hauptteil.
274
Aarebett; an letzterer Stelle liegen weit außerhalb der letzten Vergletscherung prachtvolle Grund-moränen 100 m tiefer als die Randkante der Hochterrasse; ebenso Reußufer unterhalb Mellingen ,Buchserstraße bei Aarau, Rheinufer bei Wallach (alle nach Mühlb erg). Von Klingnau macht DuPasquier Altmoränen auf Hochterrasse geltend. Blösch (Die große Eiszeit, in „Beiträge“ 61. Lfg.,1911) fügt entscheidende Funde aus den neuen künstlichen Entblößungen unter Laufenburg hinzu,wo weit außerhalb der letzten Vergletscherung und tief unter der Akkumulationshöhe der Hoch-terrasse mächtige Blockmoräne auf Hochterrassenschotter liegt und ihrerseits bedeckt wird vonNiederterrassenschotter. Die Hochterrasse ist also sicher älter als die größte Ver-gletscherung; Mühlberg und Blösch meinen sogar, daß die beiden durch eine lange Zeitbedeutender Erosion und Verwitterung getrennt seien.
Wollen wir nun unsere Hochterrassenschotter mit Pencks Rißschottern par-allelisieren, so fehlen uns die Rißmoränen, die Rißvergletscherung. Wollen wir aberunsere größte Vergletscherung Pe'ncks Rißvergletscherung gleichstellen, so liegtunser Hochterrassenschotter außerhalb Pencks Schema und gehört der Interglazial-zeit Mindel—Riß oder einer neuen vorangegangenen Eiszeit an.
Schotterreste, die der größten Vergletscherung zuzurechnen wären und in diesem Falle Riß-schotter genannt werden dürfen, fehlen nicht ganz, wenn sie auch keine zusammenhängenden großenTerrassen bilden. Hierher gehören: nach R. Frei, Brandfluh auf dem südlichen Zugerberg ; imAargau nach Mühlberg Schotter SE Schöftland auf dem Rücken zwischen Rueder- und Suhrtalund Wandfluh bei Kulm; im Kt. Bern nach Nußbaum Hundschüpfen zwischen Bern und Emmental,ferner im Baselland Schotter westlich Liestal und bei Bubendorfer Bad im Ergolztal .
F. Mühlberg, der zuerst mit Nachdruck auf eine Unabhängigkeitunserer größten Vergletscherung von der Hochterrasse hingewiesenhat, dachte sich zuerst die größte Vergletscherung als möglicherweise mit der letztenverbunden in der Art, daß die größte Ausdehnung nur kurze Zeit gedauert habe,die „letzte“ ein andauerndes R.ückzugsstadium der „größten“ darstelle. Gutzwillerneigt zu dieser Ansicht. Indessen sprechen doch manche Erscheinungen für eineInterglazialzeit zwischen der größten und der letzten Ver-gletscherung, d. h. zwischen den Altmoränen und den Jungmoränen. Es sinddies besonders stärkere Verwitterung der Altmoränen, Hauptlöß über den Hoch-terrassen und über den Moränen der größten Vergletscherung, abernicht auf Jungmoränen und Niederterrasse. Ganz besonders entscheidend scheinenmir die interglazialen Schieferkohlen von Wetzikon , Dürnten, Mörschwil usw.zu sein, indem die unter denselben liegenden Grundmoränen wegen ihrer tiefenLage nicht den Deckenschotterzeiten, sondern jüngerem Glazial angehören müssen,die Jungmoränen aber über den Schieferkohlen liegen.
Der Zusammenhang unseres Landes mit den Ausgangsgebieten von P e n c k istvielleicht so zu denken, daß wir seine große Rißvergletscherung unserer größtenVergletscherung gleichsetzen. Die hie und da zwischen Hochterrasse und Nieder-terrasse beobachtete Mittelterrasse (Steinmann, Tschudi, R. Frei, Gutzwiller)und die oben zitierten lokalen Schotter der größten Vergletscherung könnten alsRißschotter bezeichnet werden. Unser ausgedehnter Hochterrassenschotter aberwäre als eine besondere interglaziale Mindel-Rißablagerung in dasPenck’sche Schema einzuschalten. So bleiben wir freilich vorläufig bei 4 Ver-gletscherungen, während M ü h lb e r g geneigt ist, aus Rücksicht auf die Hochterrassederen 5 anzunehmen.