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S. Aurel. Propertius Elegien / im Versmasse der Urschrift übersetzt von Friedrich Jacob ; nach des Verfassers Tode vollendet und herausgegeben von Dr. Wilhelm Binder
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genommen so lange, auch nach Goethe, studirt, aber beiWeitem nicht so klar in seiner Eigenthümlichkeit aufgefaßthaben. In diesem Verhältnisse des deutschen zu dem römischenDichter liegt zugleich die Rechtfertigung dafür ausgesprochen,daß von mir ein neuer Versuch gemacht wurde, letzter» derdeutschen Literatur anzueignen ^).

So wenig wir uns nun bei Lesung der Goethe'schen Ge-dichte nach einer Einleitung umsehen würden, die uns ihrenGekankengang nachwiese, vielmehr ein Jeder, nach der ihminwohnenven Fassungskraft, so viel von dem Dichter in sichaufnimmt, als er eben aufzunehmen vermag: ebenso möchteich auch diese Lieder gerne in ihrer ganzen dichterischen Indi-vidualität, ohne rohe Zergliederung ihres Inhaltes, von un-befangenen Sinnen gelesen sehen. Denn, obgleich zugestandenwerden muß, daß der Gang der Goethe'schen Elegien viel ein-facher ist, während Propertius entweder in wirklich fluchenderLeidenschaftlichkeit unruhig auf- und niedertaucht, oder kunst-reich die wechselnde Mannigfaltigkeit der Seelenzustände, mit-unter schroff herausfahrend, unS vorführt, so entstehen dochdiese bewegten Wechsel der Seelenfärbung alle von der hinein-scheinenden Liebesflamme, und können leicht und mit Wohl-gefallen gefühlt werden.

Aber eine andere Schwierigkeit deS Verständnisses fürden der römischen Welt ferner Stehenden ist allerdings zubeseitigen. Sie entspringt aus der Verschiedenheit der Welt-ansicht und der Lebenszustände damaliger und jetziger Zeit.

2) Da der Text des Propertius nicht ebne mannigfache Interpola-tionen auf uns gekommen ist, so musste» diese, z»m Behufe einer klarenUebersetzung, getilgt werden. Allerdings wäre das Wünschenswcrthestc, daßdie von mir vorgenommene» Abänderungen alle auch ausgemacht richtigund sicher wären; allein, daß sie das Alle» scheinen sollte», steht nichtzu erwarten. Gleichwohl mußte nach ihnen übersetzt werden, denn mirschiene» sie gerechifcriigt, in einzelnen Fällen sogar unerläßlich. Wo ichdaher von der Lach man »'scheu Recension von 1829 wesentlich abge-wichen bin, ist wo sich die Sache nicht von selbst ergab, wie z. B.bei Eigennamen und Interpunktionen die von mir gewählte Lesartimmer unter dem Texte angemerkt worden.