IX
der Elegie widmete. Seit einem Jahrhunderte etwa warKarthago zerstört, und eS halte sich zu der römischen Kraftgriechische Schönheit gesellt. Diese Schönheit der Formen,wenn sie auch mehr als Schmuck, denn als Mittelpunkt desDaseins angesehen ward, hatte doch, während die Wissenschaftnur wenigen, durch Geburt oder Glück Begünstigten offenstand, alle Stände deS Lebens in allen seinen Theilen undBeziehungen durchdrungen und war eine wesentliche Bedingungjedes Genusses geworden. Sie allein hielt also seit dem Ver-fall von Staat, Religion und Sitten um so länger und kräf-tiger den Zusammensturz des wankenden Gebäudes auf, jemehr die alte Welt, an die Erde und ihre Freuden gewiesen,ihre Lust mit größerer Unschuld und ohne das, unserer christ-lichen Zeit bcigegebene, Gefühl von Sünde genoß. Daher ist,zu einer mildmcnschlichen Beurtheilung jener Zeiten und Per-sonen, niemals zu vergessen, daß sie für Vieles, was unSjetzt abstößt, nicht zurechnungsfähig waren ^).
stände, sind »ns noch in einigen Gedichten des IV. Bnches seiner Elegienaufbewahrt.) — Unter den Jngendgcnossen nnsers Dichters war — nächstPonticus, dem Verfasser eines Epos, das den Zug der Sieben gegenTheben zum Gegenstände hatte; Aetius Gatlus lnicht zu verwechselnmit dem Dichter Cornelius Gallus ), der als Preiset! Aegyptens auf einemunglücklichen Zuge nach Arabien im I. d. St. 730 umkam; sowie denDichtern Lnnceus und Bassus, von welchen beiden letzteren wir nichtsNäheres wissen — auch der nur drei Jahre jüngere P. Ovidins Naso,wiewohl Propertins seiner nirgends Erwähnung thut. — Mit den Mäch-tigen des Staates war er wobt zunächst durch Tullus (siebe zu I, 1Ueberschr.) in Verbindung gesetzt worden, namentlich mit Mäeenas, beidem er auf den Esquilien wohnte; allein schon wegen der Ungleichheitdes Alters konnte das Verhältniß des Propertins zu diesem Freund undGönner aller schönen Geister Roms kein so inniges sein, wie das einesBirgil und Horaz . Auch dem Augnstus selbst empfahl er sich durchseine ungebeuckelte Verehrung, und namentlich durch seine Elegie auf denTod des Ma reellus (III. 18.) und das herrliche Schlußgedicht aus denTod der Cornclia, der Stieftochter Angnst'S von der Scribonia, undGattin des Acmilius Paulus (IV, tl). Letzteres Gedicht (738 n. N.)scheint auch der Schwancngesang unsers Dichters gewesen zu sein, derschon im dreißigsten Jahre, oder nur wenig später, starb, wenigstensweis'! Nichts i» seinen Gedichten über daS Jahr 738 hinaus.
i) Es könnte befremdend erscheine», daß ich in diesem Abrisse der