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der Grund liegen, daß wir, nachweislich, aus ihnen nichtsgeradezu Verderbliches für das Volk hervorgehen sehen.
Anders war es bei den Römern. Die ernst-ehrwürdigeZucht und Geltung der Familie und des Staates stand mitden leichtfertigen Frauenverhältnissen im vollesten Widersprüche;und wiewohl wir die Familie auch bei ihnen allmälig hinterder einseitig politischen Entwickelung und Richtung in denHintergrund geschoben sehen, so blieb doch der tiefgewurzelteEinfluß deS Hauses lange bestehen, wie z. B. noch Ciceroeine gute römische Aussprache nur bei wenigen Geschlechternfindet, in denen sich dieselbe besonders durch den Einfluß derMütter erhalten hatte; und es ist eine weit reichende Erklä-rung, womit man den Besitz irgend eines geistigen Gutesnatürlich findet, daß man von Jemanden sagt: „ckomi Imbot;er ist dabei groß geworden.« Wenn also die Römer ihrembewunderten Muster, den Griechen, auch darin sich gleichstellenzu müssen glaubten, daß sie das Hetärenverhältniß als einenBeweis von Aufklärung und gebildetem Geschmacke bei sicheinführten, so mußte dieses aus allen Gründen bei ihnenverderblich wirken. Wesentliche sind bereits angeführtworden: der Widerspruch mit einer, vor Allem das Gesetzsuchenden Natur und einer würdig gehaltenen Häuslichkeit;die willkürliche Annahme und Nachahmung einer fremdenSitte, die eben deßwegen, weil sie nachgemacht war, nichtfrei von Uebertreibung und Uebermaß bleiben konnte. Zudiesem Fehler drängte noch überdieß die leidenschaftliche Ge-waltsamkeit deS römischen Charakters von selbst, wenn ihrRaum gegeben war, während der Grieche von früh an überalldaö richtige Maß gesucht hatte. Und auch diese Krafläuße-rung, die überall so gern wie eine Tugend geschätzt wird,glaubte namentlich der Römer — leider! — als eine Aus-zeichnung seiner Individualität ansehen zu dürfen. Sie istes im Grunde, weßhalb Horaz seinen Landslenten das „lia-giouin spiraro« ?) beimißt, und weßhalb Properz es für seine
7) Epiit. 2, 1, lvü.