XVI
Worte ihr Geist, sowie ihre Anerkennung seines DichterwerthcSnoch mehr. Ihre leidenschaftliche Untreue, ihre gelegenheitlicheGeldgier, ergrimmten ihn zwar nicht selten; aber Klagen lang-weilen sie, Drohungen und Zorn machen sie trotzig, geistreichesSchmeicheln gewinnt sie am Ersten. Dieß ist daher der Grund-ton seiner Lieder: die fast französisch tändelnde, aber zierlichstgewandte Huldigung der Alles besiegenden Schönheit und geist-reichen Erhebung über das Urtheil der AlltagSwelt, d. h. überalles Das, was einer gesunden Nation als ehrenwerth undfromm erscheint, dargebracht einer von ihrer Zeit verzogenenFrau, die dadurch das Recht hat, Männer zu ihren Füßenzu sehen, und dieses Recht auch in seinem ganzen Umfangefür sich benützt, während in ihm selbst, unter diesem zierlichenFarbenspiele des Witzes, alle Glut der Leidenschaft lodert undihn verzehrt. Wie Anadyomenen das hochschäumende Meer, soumdrängt er die Glieder seiner Geliebten und umspielt siemit den reichen Wogen seiner schmeichelnden Verse. Alleihre Fehler, ihr Leichtsinn, ihre Genußsucht, ihre Geldgier so-gar müssen ihm zu liebenswürdigen Schmeicheleien dienen: erhat die Ungeheuer der Tiefe, daS Toben seiner Leidenschaft,gebändigt, baß sie gelehrig die Schönheit der Geliebten mitschlüpferigen Liebkosungen umkreisen; er hebt sie ohne Beden-ken neben alle Göttinnen und Heroinncn, von denen die Sageirgend Liebeshändel zu berichten hat, denn sie sind alle He-tären gewesen; nur an Treue gegen den Geliebten sind siedem verderbten Mädchen der Gegenwart überlegen. Denn sotief hat sich niemals ein Volk in den Irrthum der Verblendunghineingeredet, daß nicht das Gefühl für das Wahre und Schöneim innersten Herzen irgendwie wach geblieben wäre. Unddiese Wahrnehmung des göttlichen Funkens, gehoben von einem,weit über unsern Standpunkt Hinausreichenden Schönheitssinne,ist es, was uns zu diesen Hervorbringungen einer wunderbarbegabten, wenn auch irrenden, Vorzeit immer wieder zurück-führt, auch wohl unsere Gegenwart mit ihr in ernster Unbe-fangenheit zu vergleichen veranlaßt.
Auch Cynthia ward frühe eine Beute des Todes, nach-