Band 
Dritter Band.
Seite
477
JPEG-Download
 

Kreide. Andere zoogene Kalksteine.

477

förmige Platten von Feuerstein die Kr. Merkwürdiger Weise ist die südeuro-päiscbe Kr. ungemein arm an Feuersteinknollen. Grüne Glaukonitkörnchen findensich oft in beträchtlicher Anzahl der Kr. beigemengt, welche dann glaukoni-tische Kreide Glauconie crayeuse oder craie chloritee) heisst. Kalkspathbildet hier und da Trümer und Nester, Eisenkies und Strahlkies erscheinenhäufig in Krystallgruppen, Kugeln und Knollen, zumal in der englischen Ivr.,und vererzen nicht selten die grösseren Organismenreste. Grünlichgraue dichteKnollen eines unreinen phosphorsauren Kalks von Nussgrösse bis über 1 Fussim Durchmesser kommen vielorts im Gebiete der nordfranzösischen Kreideforma-tion, z. B. am Cap laHeve bei Havre de Grace vor. Nach Bobierre enthalten sie3270^ Kalkphosphat.

Unter den Abänderungen der Kreide ist noch der Kreidetuff (craietuffeau) von Maestricht zu erwähnen, welcher hauptsächlich dort am Petersbergund bei Fauquemont (Falkenberg) durch weitausgedehnte unterirdische Stein-brüche aufgeschlossen ist. Er ist ein gelblichweisses bis ockergelbes, weiches,zerreibliches Aggregat von zertrümmerten und fein zerriebenen, lose mit ein-ander zusammenhängenden Besten von Korallen, Bryozoen, Foraminiferen,Echiniden, Conchylien u. s. w. Nebenbei kommen zahlreiche wohlerhaltene grössereFossilreste darin vor. H. Thürach fand darin u. d. M. Staurolith (häufig), auchZirkon, Turmalin, Granat, Rutil, Anatas (selten).

Die eigentliche weisse Kreide ist überall nur ein Glied der Senonbildung,der obersten Etage der Kreideformation; sie bildet vielfach schroffe pittoreskeFelsformen mit steilen Abstürzen. Ihre hauptsächlichsten Verbreitungsbezirke sind:In England an der Siidküste um Dover , zwischen Beachy-Head und Brighton ,Insei Wight; im Inneren n. und s. einer von Bovey in Devonshire bis an die Küstevon Norfolk gezogenen Linie; auch in den nördlichen Grafschaften York (Flam-borough-Head) und Lincoln; ferner, ausserordentlich feuersteinreich, am n.ö. Küsten-rande von Irland . In Frankreich ist die weisse Kreide in den Depp. Pas de Calais ,der Oise , Somme , der unteren Seine, der Aisne , der Ardennen, der Aube, Marneund Seine sehr verbreitet, in den beiden letzten Depp, häufig von Pisolitbenkalkbedeckt. In der Gegend von Aachen und Maestricht, durch die Tuffkreide über-lagert. Ostsee -Inseln Rügen (Stubbenkammer, 400 Fuss hoch), Möen (Möensklint), See-land (Stevnsklint, alle Vorgebirge auf der Ostseite der Inseln). In Südrussland am Donetz.

Ausser der Kreide gibt es noch viele andere Kalksteine, welche vorwiegendoder grossentheils aus kalkigen Thierresten zusammengesetzt sind, sogenanntezoogene Kalksteine; dahin gehören;

Muschelconglomerat oder Muschelmergel, jüngere Bildung in Küstengegenden.

Crinoidenkalkstein, vorwaltend aus Crinoidenstielgliedern, die in Kalkspathverändert sind, bestehend.

Korallenkalkstein, aus Korallenresten zusammengesetzt, die durch Kalk ver-kittet sind.

Miliolitenkalkstein, Iv., der fast nur aus Milioliten (den ForaminiferengeneraTriloculina, Quinqueloculina, Alveolina) besteht, die man meist schon mitblossem Auge erkennen kann; im Tertiärbecken von Paris .