Band 
Dritter Band: 1861 - 1890.
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159. An Emil Kuh , 29. Dezember 1872.

das Sie vielleicht halb und halb immer noch erwarten').Da muß ich Ihnen nun gestehen, daß ich fast keinerlei An-lauf dazu finde. Ich habe eben angefangen, wieder etwaszu thun und zwar den weitaus besseren Teil meiner geringenDinge abzuspinnen; so erscheint es mir denn als unleidlich,gerade jetzt, in diesem Übergangsstadium, mich selber zu be-sprechen und besprochen zu sehen, obgleich ich am bestendurch eine Aufzeichnung die halbwegs SchinderhannesartigeVorstellung, die von mir bei Ihnen zu spulen scheint, hätteverscheuchen können.

Gewiß aber sehen Sie mit mir gern noch eine Weiledem treibenden Schifflein zu, ehe Sie es entern.

Ich habe seither die Grillparzerschen Werke durchgelesenund zu meinem Verdrusse Ihren Band, den ich ausgeliehen,noch nicht wiederbekommen, um ihn nun noch einmal mitmehr Materialkenntnis zu studieren. Ich wundere michüber die säuerliche miserable Art, wie manche Norddeutschevon Überschätzung Grillparzers sprechen. Es ist doch fastjedes Stück eine Entdeckung von Schönheitsfundgruben;es reicht keiner der letzten vierzig Jahre hinan. Undin den Prosaaufzeichnungen (Biographisches rc.) ist ervon klassischer Angemessenheit, Redlichkeit und Verständig-keit, der wahre Kontrast zu der Süßigkeit und Tiefe derDichtungen.

Auch wundere ich mich über manche BemerkungenLaubes zu den Dramen, welche einen allzu weitläufig flachen

') Emil Kuh an Gottfried Keller , 8. August 1872:Ich halteSie beim Wort: daß Sie mir biographische Skizzen geben wollen.Ich bitte Sie aber, gönnen Sie ihnen dann einen reichlicheren Zufluß,fassen Sie sie nicht für Pierer-Zmecke an!"