Band 
Dritter Band: 1861 - 1890.
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164. An Adolf Exner , 22. Mai 1873.

Ich habe jetzt die Sehnsucht, einmal etwas Ernsthaftesund Rührendes zu machen; aber es ist schwierig, aus denPossen herauszukommen, da einen die Welt immer wiederlächert.

Für die neuenSeldwyler" bekomme ich 4000 Fränklein,die ich im Geiste schon herumtrage wie der Hund den ge-stohlenen Knochen. Wahrscheinlich werde ich noch ein Geiz-hals. Ich studiere daher neuerdings IhrenPfandbegriff",der ein Stolz meines Büchertisches ist.

Seien Sie also so gut, mir jenes Manuskript nochmalszu leihen!

Auch wünsche ich Ihnen glückliche und freudvolle Ferien-wochen, empfehle mich in Ihrem Hause, soweit es mir be-kannt, und bleibe im übrigen Ihr alter

G. Keller.

164. An Adolf Erner in Wien .

Zürich , 22. Mai s1873j.

Lieber Herr und Freund! Die Muße des Himmelsahrts-tages benutzend, will ich Ihnen hicmit denSchmied"wieder einpacken, den Sie mir vertrauensselig noch einmalüberlassen haben, wofür ich danke; es fehlte indessen wenig,daß ich ihn, nachdem ich ihn selbst abgeschrieben und ihmdabei allerlei Staub und Läusebälge ausgekämmt habe, nichtin den Papierkorb geworfen. Es existieren nun drei Fassungendieses vortrefflichen Werkes, und wenn Sie oder Viewegmit ihrem Koderlein nicht unversehens einmal die Pfeifeanzünden, so werden sich die Humanisten des vierten Jahr-tausends einst die Köpfe zerbläuen, nicht ahnend, daß ichmein eigener Jnterpolator war.