Band 
Dritter Band: 1861 - 1890.
Seite
178
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178 192. An Marie von Frisch, geb. Exner, 11. März 1875.

Ich bin in letzter Zeit mehrfach an das alte Heidelberg erinnert worden: durch die Nachricht von Kapps') Tod,dann durch den Feuerbachschen Nachlaß, den Karl Grün herausgegeben, in welchem die Briefe von Ludwig Feuer­ bach aus jener Zeit stehen.-

Über Deine letzten Bände der Litteraturgeschichte habeich Dir nicht geschrieben, weil ich sie nicht mehr vom Ver-leger bekommen hatte, der mir die ersten geschickt hatte, undich nicht wußte, ob es nicht etwa auf Deinen Befehl inirgend einer Anwandlung geschehen sei.

Für das April- und Mai-Heft derDeutschen Rund-schau" schustere ich jetzt eine kleine Novellengruppe zusammen;die gleiche Nummer soll die wieder aufgefundenen BriefeSchillers an den Herzog von Augustenburg bringen, dieMax Müller in Oxford einleite.

Dir und den Deinigen beste Wünsche darbringend grüßeich bis auf ein gutes Wiedersehen, das übrigens auch wiedereinmal in der Schweiz stattfinden dürfte, in alter Gesinnung

Dein

G. Keller.

19Ä. An Marie von Frisch grl». Erner in Wien .

Zürich , 11. März 1875.

Verehrteste Frau Professor! Noch immer bin ich Ihnenmeinen Dank schuldig für das hübsche Christkindchen, dasSie mir letztmalig geschickt haben; es ist aber doch nicht

mir, als käme ich vor lauter Lernen und Lehren nicht mehr zum eigenenDenken und Schaffen. Es beschäftigt mich eine Bildungsgeschichte desitalienischen Renaissancezeitalters. Aber ich habe den Mut nicht mehrzu so kühnem Wagen."

-) S. o. Bd. 1, 329 ff.