zu thun und mich aus dem mysteriösen Mutternebel abge-schiedner einsamer Produzierlichkeit herauszuarbeiten. Aberdie Zeit will fast nirgends langen. Doch wird eine glück-liche Wohnungsänderung hiezu Bahn brechen.
Ich wohne jetzt auf dem „Bürgli" «über der Terrasse)in der Enge und bleibe abends meistens zu Hause. GrüßenSie bestens Ihren Herrn Sohn und bleiben Sie mir ge-wogen! Ihr ergebener
G. Keller.
ZOO. An Marie von Frisch i» Mierr.
Verehrteste Frau Profäfseri! Es war sehr hübsch vonIhnen, daß Sie mir einmal geschrieben. Jetzt bin ich schonwieder ein Jahr älter und werde immer noch dümmer. Heutvor einem Jahr, oder vielmehr morgen, hockte ich bei Euchund verheimlichte weislich meinen Geburtstag, um Euremiserablen Witze nicht noch mehr zu provozieren und aufwein altes Haupt herabzulocken. Wäre ich jetzt dort, sowürde ich auf dem Markt Aprikosenkerne zusammensuchen,Hundertweise, und sie vor Adolfs Fenster im Garten Hin-streuen, daß er glaubte, ich hätte ihm noch mehr Aprikosengefressen, als gewachsen sind. Das würde ihn baß ärgern.
Auf Ihr Kindchen freue ich mich: das ist gewiß einallerliebstes Tierchen! Wenn es ordentlich genährt ist, sowollen wir's braten und essen, wenn ich nach Wien komme,wit einem schönen Kartoffelsalat und kleinen Zwiebelchenund Gewürznägelein. Auch eine halbe Zitrone thut mandran.