Band 
Dritter Band: 1861 - 1890.
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204. An Emil Kuh , 8. Oktober 1875. 213

imNeuen Reich " auf denl hiesigen Museum gelesen, soweitich dazu kommen konnte; jetzt habe ich es ganz durchgekostetund danke Ihnen dringendft für die Arbeit und das Geschenk.Auf die noch lebenden Gesellen jener Schule muß Ihre Un-tersuchung einen wunderlichen Eindruck machen, namentlichauf Gutzkow , der so viele andere mißhandelt hat und zwaroft aus lauter elender Bosheit und berechnender Vorsätzlich-keit. Aus Ihrer Schilderung wird aufs neue klar, wieschrecklich es ist, wenn ein Mensch als unreifer Junge, vonder Schule weg, unter die Litteraten geht und bis ins Alterhinein ohne Aufhören, ohne Ausruhen, ohne eine Pause undZeit anderer Beschäftigung fortschriftstellert und fortschustert,immer auf dem Marktplatz stehend oder sitzend, wie einegrau gewordene Höckerin, die ihren vierzig- oder fünfzig-jährigen Eckplatz hat gleich links neben den Fischhändlern.Doch haben Sie ihn mit allem Glimpf behandelt und insrichtige Verhältnis gebracht zu den übrigen. Das GanzeMacht nach allem schon Gelesenen doch einen neuen undfrischen Eindruck oder vielmehr den Eindruck eines Neuenund Lehrreichen. Wenn Hebbels Gestalt weiterhin von derleiGefolgschaft und Aussichten begleitet ist, so wird es schondeswegen ein Hauptbuch sein.

Das Erlebnis mit Ihrem neuen Herrn Bruder, dasSie mir von Ratzes aus schilderten, war mir sehr ergötzlich;ich kann mich nicht in die Lage versetzen, nur einen Bruder«u haben, geschweige denn mehrere'). Daß ein so wildes

') E. Kuh berichtete von Bad Ratzes am Schiern aus am 18.Aug. i 87 g von einem jüngeren Bruder, welcher als Kind allerleiGrün-Heinrichs-Einfälle gehabt.