Band 
Dritter Band: 1861 - 1890.
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311. An Marie von Frisch , 15. Januar 1882.

jede Interpretation durch eine andere verjagt oder Paralysiertwird, ist es schwierig, den rechten Übergang zu finden. Nurso viel steht fest, daß das Werk mit gutem Willen und red-licher Anerkennungsfähigkeit angefaßt werde» muß.-

In wenig Tagen haben wir Weihnacht, und da Sietrotz des Scherbengerichts der Stadtberner') wohl noch IhreJulzeit heidnisch oder christlich begehen, so wünsche ich Ihnenheitere Festtage und gleich auch noch ein glückseliges Neu-jahr, wobei ich mich gratulierend auch der verehrten FrauGemahlin empfehle. Ihr ergebener

G. Keller.

311. An Marie von Frisch in Mir».

Zürich , 15. Januar 1882.

Verehrungswürdigste gnädige Frau! Da es so lukrativist, mit Ihnen gut zu stehen, so muß ich Sie schon mit er-höhten Höflichkeiten anreden und noch einige Platonische Hand-küsse hinzufügen, wobei Sie wenigstens sicher sind. daß ichSie nicht in die Finger beiße. Denn ich besitze nicht einmalmehr den Zahn, welchen der große Kant hinterlassen hat.Lassen Sie sich denselben vorn Herrn Gemahl zeigen imWiener Archiv für Anthropologie" auf den Abbildungen desKantischen Schädels, womit ich übrigens nicht das Ihnenso verhaßte Schädelthema wieder anschlagen will.

0 Widmann war das Jahr vorher durch deu Einfluß BernischerGeistlicher aus seiner Stellung als Direktor der Hähern Töchterschulegedrängt morden.