620 379. An Sigmund Schott, 18. Dezember 1888.
27. August hervorsuche. Die leidensvolle Krankheit meinerSchwester und der langsam und qualvoll erfolgende Tod,dazu niein durch stete Rheumatismen gehemmtes Gangwerkhaben mich von Deiner Angelegenheit puucto Ausstellungder Arbeiten bei Appenzeller dahier so fern gehalten, daßich nichts davon zu sehen bekam und erst nachträglich dengeringen Erfolg vernahm.
Du wirst leider daraus ersehen haben, daß es in Zürich mit den Knnstsachen nicht besser steht als in Genf ; ich abermuß denken, falls nicht sonst ein günstigeres Gestirnlein auf-gegangen ist, daß Du in der alten Not seufzest, insoweitDu mit Deiner Tapferkeit überhaupt seufzest.
Für alle Fälle lege ich wieder ein Palliativmittelchenbei und in verschlossenem Kouvert etwas von einem altenguten Bekannten, der nicht genannt sein will, was Du aberohne Unruhe nehmen kannst.
Schreibe mir, wie es Dir geht; ich fürchte, daß DeineGesundheit unter der Misere leidet. Ich selbst werde DeinenBries einläßlicher beantworten, sobald ich wieder leichter ge-stimmt bin, und wünsche Dir alles Gute resp. Bessere. Duhast es ja in jungen Tagen um mich verdient!
Mit allen Grüßen Dein
G. Keller.