Band 
Dritter Band: 1861 - 1890.
Seite
626
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626 Bestattung, Freitags den 18. Juli 1890.

So ging denn der tote grüne Heinrich auch den Weghinaus" ....

Ein Leichenbegängnis wie dasjenige Gottfried Kellers am Vorabende seines einundsiebzigsten Geburtstages hatteZürich noch keines gesehen. Die Stadt selbst ordnete dieBestattungsfeier an. Das ganze Schweizerland schritt hinterdem mit zahllosen Kränzen belasteten Sarge: Vertreter desBundesrates, die Züricher Regierung in ihrer Gesamtheit,Abordnungen des Kantons- und Stadtrates, beider Hoch-schulen, sämtlicher größeren Vereine, Vertreter der akade-mischen Jugend aller übrigen schweizerischen Universitätenmitten in einem Wald umflorter Banner. Am Trauerwegestand entblößten Hauptes die lautlose Menge. In der dicht-gesüllten Fraumünsterkirche wurde die mit dein Trauermarschaus der Eroika eingeleitete Abdankung gehalten. Der Geist-liche sprach das liturgische Gebet, Professor Stiefel die Weihe-rede. Kellers Heimatlied brauste durch die Hallen. Dannzog's hinaus in laugen Scharen durch den düsteren regne-rischen Abend, dem städtischen Friedhofe zu. StadtpräsidentHans Pestalozzi entbot dem Toten den letzten Gruß desdankbaren Vaterlandes').

Man war vor dem Krematorium angelangt.

In der dämmerigen Halle des in seiner edlen Form er-

Weihereden bei der Bestattungsfeier von Dr. Gottfried Keller gehalten am 18. Juli 1890 von Pros. Dr. I. Stiefel und Stadt-Präsident H. Pestalozzi. (Zürich , Stenographisches Bureau.)