98 Erfindung des Kompasses.
Neue die Thatsachen, welche in jenem Buch bereits längstenthalten waren.
Erfindung des Kompasses.
46. Wir können das XIV. Jahrhundert nicht ver-lassen, ohne den Anspruch, den dasselbe auf eine der wich-tigsten und einflulsreichsten Erfindungen erhebt, etwasnäher zu beleuchten.
Nach der gewöhnlichen Annahme soll im J. 1302oder 1303 ein erfahrener Seemann im Neapolitanischen,Flavio Gioja mit Namen, aus dem Dorfe Pasitano beiAmalfi gebürtig den Kompais erfunden haben. Die An-nahme gründet sich hauptsächlich auf die Aeulserungeines Schriftstellers des XIV. Jahrhunderts Anton v. Bologna ,und zur ferneren Rechtfertigung derselben führt man auchnoch andere Gründe an. So verweist man wohl auf diedem französischen Wappen entnommene Lilie, mit dernoch jetzt in der Regel der Nordpol der Kompafsnadelnbei Schiffern bezeichnet ist, und bemerkt dabei, Gioja habediese Bezeichnungsart gewählt zu Ehren der damaligenneapolitanischen Dynastie, die aus dem Hause der franzö-sischen Grafen von Anjou herstammte. Man beruft sichferner darauf, dafs die Neapolitaner, um die wichtige Er-findung ihres Landsmannes zu verewigen, demselben aufder Börse von Neapel eine eherne Bildsäule haben setzenlassen mit der Inschrift, dafs er der Erfinder des Kom-passes sei. Endlich führt man auch das Zeugnifs mehrererSchriftsteller an, namentlich eines gewissen Arrigo Brecll-mann, dafs die Stadt Amalfi in ihrem Wappenschild eineKompaisnadel führe.
Nichts destoweniger kann eine genauere historischeUntersuchung dem Gioja auf die Erfindung des Kompassesdurchaus keinen Anspruch zugestehen, höchstens ihm dasVerdienst lassen, dies wichtige Instrument in die neapoli-tanische Schifffahrt eingeführt, oder mit dieser oder jenerzweckmäl'sigen Einrichtung versehen zu haben.