Buch 
Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
Entstehung
Seite
103
JPEG-Download
 

Erfindung des Kompasses.

103

Magnetstein so grofs wie die Handfläche, und dais dieserStein mit seinen beiden Spitzen nach Nord und Süd zeige.Auch bei den Europäern haben die Kompasse der Schifferanfangs diese Einrichtung gehabt, und daher stammt derName Calamita , mit dem noch heut zu Tage die Italiener,die Neugriechen, Kroaten und Bosniaken die Kompaisnadelbezeichnen; er stammt von Calamites Laubfrosch. Vondem Gebrauch eines solchen Kompasses, sagt nun Bailak,wäre er selbst Zeuge gewesen auf einer Reise, die er imJ. 1242 von Tripoli in Syrien nach Alexandrien machte.Er setzt merkwürdiger Weise noch hinzu: die Schiffer,welche das Indische Meer befahren, Iiefsen statt des Holz-kreuzes mit dem Magnetstein einen hohlen eisernen Fischauf dem Wasser schwimmen, der mit seinem Kopf diePunkte Nord und Süd angebe.

Diese letztere Aeuiserung von Bailak deutet schondarauf hin, dais der Kompafs nicht von den Arabern er-funden sei, dafs wir vielmehr die Erfindung dieses für dieSchifffahrt so nützlichen Werkzeuges weiter gen Osten zusuchen haben. Und wirklich bestätigen dies auch dieForschungen des berühmten Sinologen Julius Klaproth ,die derselbe auf Veranlassung Al. v. Humboldt’s veröffent-licht hat in Lettre ä Mr. Al. de Humboldt sur Vinventionde la boussole 1834.

48. Nach den gelehrten Untersuchungen von Klaprothhaben wir es als ganz entschieden zu betrachten, dafs derKompafs eine Erfindung der Chinesen ist, oder wenigstens,dafs der Kompafs seit uralter Zeit und früher als in jedemandern uns bekannten Lande in China in Gebrauch ge-wesen ist. Die historischen Zeugnisse, welche Klaprothdafür beibringt, sind so zahlreich und entscheidend, dafs■wir nicht zu furchten brauchen es hier mit einer Mystifi-kation zu thun zu haben, wie solche sonst wohl bei An-sprüchen der Chinesen auf die Priorität europäischer Er-findungen Vorkommen. — Fand doch Babbage in einemExemplar chinesischer Logarithmentafeln, die der PaterGaubil 1750 der königl. Gesellschaft zu London geschenkt