Buch 
Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
Entstehung
Seite
121
JPEG-Download
 

Sechszehntes Jahrhundert.

121

sale Giordano Bruno’s aufbewahrt. Derselbe war in derMitte des XVI. Jahrhunderts zu Nola in Campanien ge-boren und wurde anfangs Dominikanermönch. Sein helleraber auch unruhiger und zu Spöttereien geneigter Geistverwickelte ihn bald in mancherlei Streitigkeiten, undnöthigte ihn Italien zu verlassen. Er ging zunächst nachGenf , wo er zum Calvinismus übertrat, und dann, als erauch hier sich zu tief in theologische Streitigkeiten ein-liels, nach Paris , wo er sich zum heftigen Gegner deraristotelischen Philosophie und der Dogmen des Katholi-cismus aufwarf, was zur Folge hatte, dals er auch dieseStadt nach kurzer Zeit verlassen muiste. Er wandte sichnun nach London , und gab daselbst 1584 unter dem TitelSpaccio della bestia trionfante eine heftige Schrift gegendie katholische Religion, oder im Grunde gegen alle Reli-gionen heraus. Im J. 1586 begab er sich nach Deutsch-land, wo er theils an der Universität zu Wittenberg docirte,theils zu Prag und zu Helmstädt unter dem Schutz desHerzogs Julius von Wolfenbüttel den Wissenschaften lebte.Im J. 1592 hatte er die Unvorsichtigkeit nach Italien zurückzukehren, wo er auch einige Jahre unbeachtet undunangetastet lebte. Allein 1598 wurde er zu Venedig von derInquisition verhaftet, und nachdem er zwei Jahre im Kerkergeschmachtet hatte, am 17. Februar 1600 als Apostat lebendigzu Rom verbrannt. Ehe er den Scheiterhaufen bestieg, sagteer zu seinen Richtern: Dieser Urtheilssprucli machteuch vielleicht mehr Furcht als mir 1 ).

Bruno’s zahlreiche Schriften sind meist philosophischenUnd metaphysischen Inhalts, aber es sichert ihm auch einenehrenvollen Platz in der Geschichte der Naturwissenschaften,dals er ein sehr eifriger und einsichtsvoller Anhänger deskopernikanischen Systems war. Erweiterungen in der ex-perimentellen Physik verdanken wir G. Bruno nicht, wiedenn überhaupt die Zahl der Männer, die in der erstenHälfte des XVI. Jahrhunderts den Weg der Erfahrung

’) Libri, Hist, des Sciences math. etc. IV, 143.