278
Magnetismus.
Kompa/s um etwa 9° fiel 1 ). Das Verfahren Hartmann’swar indefs sehr unvollkommen, wohl hinreichend das Da-sein der Neigung zu erweisen, aber keineswegs tauglichdie Gröfse derselben auch nur annähernd zu messen, wiedenn auch sein Resultat natürlich sehr bedeutend von derWahrheit ab weicht, 9° statt 70°!
Erst 33 Jahre später wurde die Inklination genügenderbeobachtet, und zwar von Robert Norman . Als derselbebei Anfertigung von Kompafsnadeln die Beobachtung vonHartmann machte, wurde er auf die Konstruktion des In-klinatoriums geführt, welches er zuerst im J. 1576 ver-fertigte 2 ). Die Magnetnadel dreht sich bei diesem Instru-ment um eine horizontale Axe, welche möglichst genaudurch den Schwerpunkt der Nadel geht, so dafs diese,wenn sie in der richtigen Vertikalebene aufgestellt ist, freider Richtung der magnetischen Kraft folgen kann. MitHülfe dieses Instruments gab Norman im J. 1576 für Lon-don eine Bestimmung, die vermuthlich nicht sehr von derWahrheit abwich. Er fand die Neigung 71° 50'. 3 ) —Die erste Neigungsbeobachtung in Paris wurde 1671, und1755 die erste in Berlin und wohl auch zugleich inDeutschland gemacht.
Norman fand auch die beachtenswerthe Thatsache,dafs durch die Maguetisirung des Stahls dessen Gewichtnicht geändert wird.
122. Bis zum Ende des XVI. Jahrhunderts be-schränkte sich die Kenntnifs von der Inklination auf dasblofse Dasein derselben, von welcher übrigens, beiläufiggesagt, die Chinesen, welche doch die Deklination so früh-zeitig beobachteten, niemals Kunde erhalten zu habenscheinen. Aber bald sollte auch hier der Gesichtskreiserweitert werden und zwar durch den Mann, der in derGeschichte des Magnetismus eine ähnliche Rolle spielt
■) Dove, Repertorium II, 130.
a ) Musschenbroek, Dissertatio de Magnete, in Die9. pliys. ßtgeometr. I, 189.
3 ) Ibid. p. 67.