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Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
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Erfindung der Dampfmaschine.

Dieser Umstand, verbunden mit der grofsen Wichtig-keit der Dampfmaschine, hat schon zu Anfang des vorigenJahrhunderts die Streitfrage erregt, welcher Nation undwelchem Individuum die Ehre gebühre, das Menschen-geschlecht mit einem so nützlichen Werkzeug beschenktzu haben, und diese Frage ist neuerdings wieder auf daslebhafteste diskutirt worden, seitdem Herr Arago in Paris sie gegen die allgemein angenommene Ansicht zu Gunstenseiner Landsleute, der Franzosen , entschieden hat. Manhat bei dieser Gelegenheit alles hervorgesucht, was geeignetsein könnte, dieser oder jener Nation irgend einen Antheilan der Erfindung der Dampfmaschine zu sichern. Da-durch ist eine Reihe von historischen Momenten ans Lichtgezogen, die, wenn sie auch keinen erheblichen Werth fürden beabsichtigten Zweck haben, doch dadurch interessantsind, dafs sie erkennen und klarer hervortreten lassen, wieviele Versuche vorangingen, ehe man den rechten Wegauffand, die Dampfkraft wahrhaft nutzbar zu machen.

Wenn man die Geschichte der Dampfmaschine mit derfrühesten Spur von Kenntnifs der Spannkraft des Dampfesbeginnen wollte, so miifste man bis Aristoteles zurück-gehen, denn dieser hatte offenbar schon eine Vorstellungvon der Gewalt eingeschlossener Dämpfe, da er die Erd-beben durch die plötzliche Verwandlung des Wassers inDampf oder eigentlich Luft zu erklären sucht. Dpch istdiese Ansicht, die später Seneca bestimmter aussprach, nochsehr unklar bei Aristoteles , und von irgend einer künst-lichen Anwendung des Wasserdampfs nicht die Rede *).

Eine künstliche Anwendung des Dampfes findet sichzuerst bei Hero von Alexandrien (120 v. Chr.). Wenn erauch nicht Erfinder der Aeolipile sein sollte, so hat er siedoch zuerst beschrieben und nicht blofs die einfache, son-dern auch die rotirende, mit Dampf und mit erhitzter Luft,wie ich dies schon früher angegeben habe (§ 3). Seinspäterhin so vielfach studirtes Werk: Spiritualia seu pneu-

*) Ukert, Geogr. der Griechen ft. Römer II, 185.