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Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
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Akustik.

Natur zu diesen Beschäftigungen so stiefmütterlich ausge-stattet war. Bis zu seinem 7ten Jahr war er stumm, undauch von da an entwickelte sich sein Sprachorgan nursehr langsam; zeitlebens hatte er eine falsche Ausspracheund ein falsches Gehör, weshalb er sich denn auch vonMusikern bei seinen Untersuchungen mufste unterstützenlassen, um die Intervalle und Akkorde der Töne richtigzu bestimmen. Sauveur stellt darin ein Seitenstück darzu dem Engländer Xicol Saundersou (geb. 1682 zu Thurl-ston, Yorkshire , gest. 1739 als Professor der Mathematikzu Cambridge ), der schon im ersten Jahr seines Lebensdurch die Blattern erblindete, und doch eine Optikschrieb!

Giuseppe Tartiui, geb. 1692 zu Pirano in Istrien, warvon seinen Eltern zum geistlichen Stand bestimmt. Alleinweder im ersten Jugendunterricht noch später auf derUniversität Padua , wo er die Theologie gegen die Juris-prudenz vertauschte, zeigte er eine sonderliche Neigungzu den Wissenschaften, dagegen desto mehr Hang zu einemwilden ausschweifenden Lebenswandel. Besonders war dasFechten ein Lieblingsvergnügen für ihn, welches ihn soeinnahm, dafs er den Entscbluis fafste, in einer gröfserenStadt Italiens eine Fechtschule zu errichten.

Einen besonderen Incidenzpunkt seines Lebens bildeteeine heimliche Ehe, welche er mit einer Musiklehrerineinging. Die Verbindung kam zur Kenntnifs seines Onkels,des Kardinals Cornaro, der Bischof von Padua war, unddarüber in heftigen Zorn gerieth. Vor dessen Folgen sichfürchtend hielt Tartiui es für gerathen seine Gemahlin inStich zu lassen, und seine Zuflucht zum Kloster von Assisi zu nehmen. Hier lebte er zwei Jahre in tiefster Verbor-genheit, und wie die klösterliche Stille ihn ernster undselshafter machte, so rief der Umgang mit einem musika-lisch gebildeten Pater seine frühere Neigung zur Musikwieder hervor. Er legte sich nun mit wahrem Feuereiferauf diese Kunst, und wurde bald ein vollendeter Virtuoseauf der Violine.