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Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte / von C. Lombroso ; mit Bewilligung des Verfassers nach der 4. Auflage des italienischen Originaltextes übersetzt von A. Courth
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Genie und Irrsinn.

gefäße, die zum Kopfe führen, eine Erweiterung des Herzensbewirkt und dem Gehirn eine größere Blutmenge zuge-führt wird.

Indem wir auf diese Weise finden, daß das Genie vonpathologischen Zuständen des Körpers abhängig ist, erklärenwir uns leicht einen sonderbaren Unterschied, der das Genievom Talente trennt: die unbewußte, unerwartete Entwicke-lung und Erscheinung des erstern.

Das Talent, sagt Jürgen Meyer (Genie und Talent,1875), ist sich seiner selbst bewußt und weiß wie und warumes zu gewissen Schlüssen und Grundsätzen gelangte. Nichtso das Genie, dem das wie? und warum? stets dunkelbleibt. Es giebt nichts unbewußteres, nichts unwillkür-licheres, als einen genialen Gedanken.

Haydn betrachtete sein berühmtes Werk, die Schöpfung,als die Wirkung einer geheimnisvollen, ihm zu teil gewor-denen Gnade.

Wenn meine Arbeit nicht vorrückte," so erzählt er,zogich mich in mein Betzimnier zurück, sprach ein Ave Mariaund sofort war meine Arbeitsfähigkeit wieder da." UnsereMills ^) schreibt ihre wunderbaren, schwungvollen Dichtungenin ganz unwillkürlicher Weise, heftig gestikulierend, schreiendund singend; zugleich eilt sie mit geflügeltem Schritt durchdie Gefilde, sodaß man geneigt wäre anzunehmen, sie ringemit einem Anfalle von Epilepsie.

Verschiedene geniale Menschen, die durch fortgesetzteSelbstbeobachtung bestrebt waren, ihr Inneres zu erfor-schen, und sich über das Wesen der dichterischen Begeisterungaussprachen, haben dieselbe als ein sanftes Fieber beschrieben,dem unwillkürlich und schnell die Gedanken entspringen,von dem die Funken sprühen, wie von einem brennendenHolzscheit, das man schüttelt.

Dante selbst drückt es klar aus in wunderbaren Versen:

') Berühmte Dichterin Süditaliens.