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Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte / von C. Lombroso ; mit Bewilligung des Verfassers nach der 4. Auflage des italienischen Originaltextes übersetzt von A. Courth
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Genie und Irrsinn.

Impulse zu widerstehen; nachdem er mehrere Tage ge-rungen, denselben niederzukämpfen, sei er genötigt gewesensich zu fügen und sechs Komödien zu schreiben.

Dieses Walten des Unbewußten im Genie wurde übri-gens schon vor vielen Jahren beobachtet.

Zunächst bemerkte Sokrates (stehe Apolog.), daß dieDichter weniger mit Hilfe der Erfindungsgabe, als unterdem Drucke eines natürlichen Instinktes ihre Werke schaffen,gleichwie die Wahrsager und Seher ihren Beruf übe»ohne sich im Augenblicke der Begeisterung ihrer Worte oderHandlungen bewußt zu sein.

Alle Handlungen des Genies," so schreibt Voltaire anDiderot ,sind die Werke des Instinkts. Wenn sich allePhilosophen der Welt zusammen thäten, so würden die-selben dennoch niemals die Armida Quinaults schaffenkönnen. Ebensowenig würde es ihnen gelingen, die Fabelvon den pestkranken Tieren zu dichten, die Lafontaine fastunbewußt schuf. Corneille schrieb die Scenen der Horazier,wie ein Vogel sein Nest Laut."

Wir sehen mithin, daß, ganz wie die Jnrpulse derGeisteskranken, die höchsten Ideen der großen Denker, vor-bereitet durch äußere Eindrücke und von ihrem Feingefühleverarbeitet, unerwartet ans Licht treten.

Und dies erklärt auch, warum die Propheten, die Hei-ligen und Verzückten selbst so fest und unerschütterlich andie Wahrheit ihrer eigenen Worte glauben.

Ist der Augenblick der Begeisterung vorüber, so erhebtsich der geniale Mensch nicht über den gewöhnlichen Sterb-lichen, steht sogar oft noch tief unter demselben. Die Un-gleichheit ist eines der unauslöschlichsten Merkmale desGenies und, wie Disracli (Luriositss littörairos, 1869) ganzrichtig bemerkt, finden sich in den Werken der besten Dichter,wie Shakespeare und Dryden, die unglücklichsten Verse undNciine. Vorn Maler Tintoretto sagte man, daß erbald