Genie und Irrsinn. 129
weilen das richtige Maß übersteigen. Sein LeidensgefährteB. G. meinte daher:
„Er giebt seinen Versen lange Füße, damit sie feststehen und seinem Geiste nicht entschlüpfen."
Eine Irrsinnige trug den Namen Im Lmooea, d. h.die Betschwester.
Man fragte dieselbe, waruin sie denn nie arbeite.
„Weil mein Name besagt, daß ich die Mühe scheue."
„Du bist so boshaft, daß dich niemand weder sehen nochleiden mag."
„Wer mich nicht sehen will, möge sich die Augen ans-reißen."
„Du bist die närrischste, die verrückteste von all' diesenWeibern."
„Glücklich ist der Kaufmann, welcher seine Ware kennt."
Kommen wir nun zu den wahren Dichtern des Irren-hauses. Nur wenige derselben sind schon im Besitzewissenschaftlicher oder litterarischer Bildung. Bei weitemder größte Teil scheint sich nur unter dein Einflüsse desÜbels selbst zu bilden, welches zur Hervorbringung dichte-rischer Werke begeistert. Ich könnte zahlreiche Beispieleanführen. Doch nötigt mich der enge Nahmen diesesWerkes nur diejenigen auszuwählen, welche geeignet sind,den in ihnen selbst waltenden Widerspruch darzuthun undzu zeigen, wie sie plötzlich und unerwarteterweise nichtnur von tiefster Düsterkeit zur Heiterkeit und sogar zurZote, sondern auch von der höchsten Anmut zum alberneugrammatisch fehlerhaften Geschwätz des Irren übergehen.
Herr M .. .. G . . .. war, bevor er erkrankte, ein be-kannter und geschätzter Dichter und Bruder eines noch be-rühmter» Schriftstellers. Er verlor den freien Gebrauchder Vernunft infolge übermäßiger geistiger Arbeit undTrunksucht. Seine Geistesstörung äußerte sich zunächst inGewaltthätigkeiten gegen seine Gattin, dann begann er gegenangebliche Verfolger zu schiuchfen und zu toben. Nachdem
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