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Culturbilder aus Griechenlands Religion und Kunst : populäre Vorträge / A. Baumeister
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die eigentliche Dichtkunst mit mehrern andern Gottheiten,namentlich mit den Musen und Bacchus zu theilen; fastausschließlich dagegen kommt ihm ein eng damit zusammen-hängendes zu, nämlich das der Weissagung. Sänger undWeissager sind in der Vorstellung der ältesten GriechenEins, die ältesten Dichternamen sind zugleich Propheten,und der Prophet verkündet in Vers und Dichtung; sowieauch im Lateinischen ein und dasselbe Wort (vatss) beideGattungen bezeichnet. Beider Wesen besteht in einer außer-ordentlichen Erregung des Gemüths und Begeisterung, inwelcher sich das Göttliche dem menschlichen Geiste offenbart.Diese Gabe des Vorhersagens und zwar nicht eigentlichZeichendeutung aus Opferthieren und Vogelflug, sondernmehr die innre Erleuchtung aus Seelenerhebung ertheiltApoll ebenfalls schon in ältester Zeit, z. B. an Kassandra ,die troische Königstochter, deren ergreifendes Schicksal sovielfach besungen ist. Weil sie Apollons Liebe nicht er-widerte, fand ihre Weissagung, obgleich immer wahr, dochniemals Gehör. Wie nun die griechischen Götter über-haupt die idealen Vorbilder von dem zu sein Pflegen, wasihr Cultus gewährt, so ist auch Apoll selbst Prophet undnatürlich der höchste. Zahlreiche Orakel bestanden von ihmin griechischen Landen, das thymbräische bei Troja, dasklarische bei Kolophon , das didymäische in der Nähe vonMilet, das gryneische auf der Insel Lesbos , u. a., aberalle diese überstrahlte das große. Hauptorakel zu Delphi,dessen Einfluß zu allen Zeiten außerordentlich, zu einigen all-mächtig zu nennen ist. Ueberhaupt war das Orakel dieeigentliche Ursache des bedeutenden Glanzes, in welchemder Name Delphi durch die ältre Geschichte strahlt; deshalbwollen wir uns mit seiner Entstehung und seinen Einrich-tungen etwas näher bekannt machen.

Der schon erwähnte delphische Hymnus erzählt:Apol-lon habe sich, nachdem er den Drachen getödtet , umgeschaut,