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Culturbilder aus Griechenlands Religion und Kunst : populäre Vorträge / A. Baumeister
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geltende Tage ausgenommen. Dann pflegten die Befragen-den, mit Lorbeer bekränzt, Opfer zu bringen, und aus derguten oder schlechten Beschaffenheit der geschlachteten Thiereerkannten die Priester, ob es dem Gotte gefalle, an demTage sich zu offenbaren. Bei günstigem Entscheid betratdie Pythia nach vorgängigem Reinigungsceremoniell dasAllerheiligste, trank aus der Quelle Kassotis, welche dortfloß, kaute Lorbeern und setzte sich auf den Dreifuß, wel-cher über dem Erdschlunde stand. Die hervorquellendenDämpfe versetzten sie darauf allmälig in Ekstase und unterkrampfhaften Zuckungen stammelte sie Worte oder stießTöne aus, welche der nebenstehende Prophet auffing und,meist zu Versen verarbeitet, den Fragenden als Antwortübergab. Wer den Gott befragen wollte, hatte sich eben-falls mehrere Tage vorzubereiten. Er hatte zuerst Reini-gungen mit dem Wasser des kastalischen Quells zu voll-ziehen; dann opferte er im Tempel auf deinwahrsagen-den Heerde", wo ein-ewiges Feuer unterhalten wurde; hieraufstieg er ins Allerheiligste, setzte sich nieder und erwarteteden Spruch der Pythia in tiefem Schweigen.

Die Leitung und Oberaufsicht des Orakels war fünfMännern anvertraut, aus fünf edlen Geschlechtern dernahen Stadt Krissa. Der Ort Delphi bildete nämlich inältrer Zeit keine eigene Stadtgemeinde, sondern wurde nurvon den Dienern und Ordnern des Heiligthums bewohnt.Jene fünf Männer führten den Titel der Heiligen, sie be-kleideten ihr Anit lebenslänglich und wurden mit besondernOpfern bei ihrem Eintritt eingeweiht. Sie wählten diePythia, bestellten die Priester des Tempels und die Pro-pheten, welche die eigne Aufgabe hatten, die Orakelsprüchein Verse zu fassen. Es konnte unter diesen Verhältnissennicht fehlen, daß sich in diesem Priestercollegium eine un-unterbrochene Tradition bildete, daß man sich Normen auf-stellte, nach denen bei der sich alljährlich mehrenden Zahl