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von Fragen verfahren wurde. Daß sich nun hier bei demunbedingten Glauben des griechischen Volkes an die Unfehl-barkeit von Apollons Aussprüchen eine Art von Priester-herrschaft hätte bilden können, ist so leicht im Allgemeinenzu vermuthen, als schwer im Einzelnen zu erweisen, wiesie wirklich stattgehabt. Unsre Kunde von den geschichtlichenVerhältnissen der verwaltenden Stadt Krissa sowohl, alsder andern am Meer gelegenen Kirrha ist aber so dürftigund das Wenige, welches die Ueberlieferung erhalten hat,noch dazu so verworren, daß es nicht möglich ist, für dieältre Zeit bis zum sechsten Jahrhundert vor Christo eineklare Entscheidung dieses wichtigen Verhältnisses zu geben.
Was im Uebrigen die ganze Art der Fragen betrifft,welche dem Orakel gestellt zu werden pflegten, so ist zubemerken, daß der Gott weniger Forderungen um Aufschlußder Zukunft beantwortete, als Anweisungen ertheilte, wiein dem gegenwärtigen zweifelhaften Falle zu handeln sei,was des höchsten Gottes Zeus Rathschluß und Wille sei,und was er daher für recht und nützlich anrathe. Derletztere Begriff der Nützlichkeit ist eben der ursprünglicheSinn des griechischen Worts für Orakel. Ein alter Schrift-steller drückt dieses so aus: „der König, dessen die Weissa-gung zu Delphi ist, enthüllt weder, noch verbirgt er, son-dern er zeigt an". Gerade wie im jüdischen Volke dasProphetenthum nicht auf die Vorherverkündigung der Zu-kunft beschränkt war, sondern seine Inhaber die Fürsten und Völker mittelst Gottes Wort auf den rechten Weg zuweisen den Beruf hatten, Buße zu predigen und Strafezu drohen, ebenso stand das Orakelamt der delphischenPriester im engsten Zusammenhang mit dem Sühnamte,und letzteres bildete eigentlich den Ausgangspunkt des er-stem und dadurch die Grundlage seiner ganzen späternMachtstellung.
Wenn eine Stadt, wie das sehr häufig vorkam, an-